Letztes Update am Fr, 18.01.2019 14:21

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Malteserorden: Migrationspolitik muss in Heimatländern beginnen



Bonn (APA/ade) - Die Migrationspolitik Europas sollte nach Ansicht des Großkanzlers des Souveränen Malteserordens schon in den Heimatländern der Zuwanderer beginnen. „Dort muss es Sprachkurse und Ausbildungen für die Menschen geben, bevor sie nach Europa kommen“, sagte Albrecht von Boeselager in einem Interview für die Wochenzeitungen der deutschen Verlagsgruppe Bistumspresse laut Kathpress.

Als Beispiel nannte er die Philippinen. „Dort werden Krankenschwestern ausgebildet, sie lernen Deutsch - und kommen dann nach Deutschland“, erläuterte der für die Außenpolitik des Ordens zuständige Jurist.

Solche Programme einzuführen, sei kompliziert, sagte von Boeselager. Aber das dürfe keine Entschuldigung dafür sein, vor ihnen zurückzuschrecken. Sie eröffneten neue Perspektiven sowohl für die Ursprungs- als auch für die Zielländer der Migranten. In Deutschland könne dadurch ein Teil des Bedarfs an Pflegepersonal gedeckt werden. Menschen in den Herkunftsländern profitierten davon, dass Migranten rund 30 Prozent ihres Einkommens in die Heimat zurückschickten. Mit rund 600 Milliarden Euro pro Jahr überstiegen solche Rückzahlungen sogar die rund 140 Milliarden Euro an Entwicklungshilfe weltweit.

Wer denke, mit Mauern und Zäunen Flüchtlinge abschrecken zu können, erliege schon angesichts des prognostizierten Bevölkerungswachstums in Afrika einer Illusion. „Die Anstürme, die da kommen könnten, sind militärisch nicht zu bewältigen, wenn wir uns vorher keine klügeren Lösungen einfallen lassen.“

Es brauche eine großzügigere Einwanderungspolitik mit klaren Regeln, forderte von Boeselager. „Europa müsste zusammenstehen und zu einer gemeinsamen Haltung in der Migrationsfrage kommen. Aber das scheint ja im Moment illusorisch zu sein.“ Dabei sei es doch offensichtlich, dass kein Land allein die damit zusammenhängenden Herausforderungen bewältigen könne.

Um auch einen skeptischen Teil der Bevölkerung zu überzeugen, sei es wichtig, dass „wieder mehr über Fakten gesprochen wird und weniger Emotionen geschürt werden“, forderte von Boeselager. Erfolge müssten besser herausgestellt werden, etwa dass über 25 Prozent der 2015 mit dem Flüchtlingszuzug nach Deutschland gekommenen Menschen bereits Arbeit hätten, so der Großkanzler.

Der Souveräne Malteserorden ist dem Heiligen Stuhl unterstellt und zugleich ein eigenes Völkerrechtssubjekt. Derzeit unterhält er diplomatische Beziehungen zu 107 Staaten.




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