Letztes Update am Fr, 18.01.2019 17:34

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Priestermangel: Diözese Linz plant tiefgreifende Strukturreform



Wels/Linz (APA) - Die Diözese Linz plant vor dem Hintergrund des Priestermangels eine tiefgreifende Reform ihrer Strukturen. Sie zielt darauf ab, Priester von Verwaltungsaufgaben zu entlasten. Eine entsprechende „Diskussionsgrundlage“ wurde am Freitag den Mitarbeitern präsentiert. Mit der Reform wäre eine Neudefinition der Begriffe „Pfarre“ und „Pfarrer“ sowie ein Ende der Dekanate verbunden.

Nachdem vor wenigen Tagen via „Kirchenzeitung“ die anstehende Fusion der Pfarre Gmunden-Ort mit der Stadtpfarre Gmunden publik gemacht worden war, wurde im Vorfeld erwartet, dass Bischof Manfred Scheuer die Zusammenlegung weiterer Pfarren andenkt. Er stellte aber klar, dass dieses Modell „nicht exemplarisch für die Diözese“ sei.

Das im Zuge des Reformprojektes „Zukunftsweg“ erarbeitete Konzept, das Scheuer, Pastoralamtsdirektorin Gabriele Eder-Cakl und Generaldechant Slawomir Dadas am Freitag in einem Hintergrundgespräch vor Journalisten präsentierten, hat einen völlig anderen Ansatz. Es versucht an der Aufgabenverteilung zu drehen, um Priester für ihre ureigensten Aufgaben freizuspielen.

Derzeit besteht die Diözese aus 487 Pfarren, die jeweils von einem Pfarrer geleitet werden und in übergeordneten 39 Dekanaten zusammengefasst sind. An die Stelle der 39 Dekanate sollen künftig 35 Pfarren treten, die jeweils von einem Pfarrer als Chef und zwei Vorständen für pastorale und wirtschaftliche Angelegenheiten gemanagt werden.

Zu jeder dieser 35 Pfarren sollen dann jeweils sieben bis 21 Pfarrgemeinden - analog zu den bisherigen Pfarren die „Heimat“ der Gläubigen - gehören. Diese Pfarrgemeinden bleiben eigenständig und werden von einem Seelsorgeteam geleitet, das - je nach Größe - teilweise aus Ehrenamtlichen, teilweise aus Beschäftigten besteht. Jeder Pfarrgemeinde ist zudem ein Priester zugeordnet, der die liturgischen Aufgaben wahrnimmt. Ein Priester soll zwei bis maximal drei Pfarrgemeinden betreuen.

Die Begriffe „Pfarrer“ und „Pfarre“ werden also neu definiert. War der Pfarrer bisher nicht nur der Geistliche einer Gemeinde, sondern auch deren Leiter - in manchen Fällen bis hin zum Personalchef des Kindergartens -, so gibt es nun nur mehr in den übergeordneten Einheiten (Pfarren neu) einen Geistlichen, der Leitungsaufgaben erfüllt und auch als „Pfarrer“ bezeichnet wird. In den Pfarrgemeinden vor Ort nennt man den von administrativen Aufgaben befreiten Geistlichen „Priester“.

Scheuer will das geweihte Personal damit entlasten. Nicht alle seien in der Lage auch Personalführung etc. zu übernehmen, hätten aber ein „anderes Charisma, etwa in der Seelsorge“. Darauf sollen sie sich künftig konzentrieren, so der Plan.

Das Konzept wurde am Freitag den Diözesan-Mitarbeitern vorgestellt. Nun soll ein breiter Diskussionsprozess anlaufen, an dessen Ende ein Votum im Diözesanforum, ein Beschluss des erweiterten Konsistoriums und schließlich die Entscheidung des Bischofs stehen sollen. Den Zeithorizont dafür gab Eder-Cakl mit Jahresende 2019 bis Frühling 2020 an. Die Umsetzung dürfte dann aber einige Jahre in Anspruch nehmen.

Hintergrund der Pläne ist wohl der Priestermangel, der die Diözese nach alternativen Lösungen suchen lässt. Scheuer hatte erst kürzlich in einem Brief an Papst Franziskus von deutlichem „Rumoren“ in seiner Diözese berichtet und den Wunsch des Kirchenvolkes nach veränderten Zulassungsbedingungen zum Priesteramt übermittelt. Möglichkeiten wären dabei die Weihe von sogenannten „viri probati“ (bewährten verheirateten Männern) und die Entbindung vom zölibatären Gelübde unter Beibehaltung des geistlichen Amts sowie die Weihe von Frauen zu Diakonen.




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