Letztes Update am Sa, 19.01.2019 13:57

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bronzestatuette „Dresdner Mars“ kehrt nach Sachsen zurück



Dresden/Freiburg (APA/dpa) - Der „Dresdner Mars“ ist zurück am Ort, den sein Schöpfer Giambologna (1529-1608) vor über 400 Jahren bestimmt hat. Das Intermezzo in der einstigen Fürstenresidenz währt zunächst jedoch nur kurz. Die Bronzestatuette des italienischen Renaissancebildhauers, die vor dem drohenden Verkauf ins Ausland gerettet werden konnte, wird bis zur Wiedereröffnung der Sempergalerie zunächst durch Sachsen touren.

Erste Station von „Ein Gott auf Reisen“, wie das Vorhaben betitelt ist, ist ab dem kommenden Mittwoch (23. Jänner) das Stadt- und Bergbaumuseum Freiberg. Damit feiern die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) die doch noch geglückte Rettung national wertvollen Kulturguts.

Die Bayer AG, in deren Kunstsammlung die Statuette gelangt war, wollte den „Dresdner Mars“ im Sommer 2018 bei Sotheby‘s in London versteigern lassen. Im Katalog war die knapp 40 Zentimeter hohe Skulptur mit drei bis fünf Millionen Euro bewertet. Nach öffentlichem Protest aus Kunstwelt und Politik zog Bayer den Auktionsauftrag bei Sotheby‘s in letzter Minute zurück. Auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hatte den Konzern kritisiert.

Der Rückerwerb wurde schließlich von Bund und Freistaat Sachsen, der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Kulturstiftung der Länder und dem Freundeskreis der SKD finanziert. Über den Preis wurde Stillschweigen vereinbart. Dabei hatte der erste Käufer der Statuette, Theodor Plieninger, den „Mars“ einem Mitglied des Bayer-Vorstands geschenkt. Dessen Erbe schenkte ihn 1988 dann der Bayer AG, verbunden mit der Auflage, ihn repräsentativ zu zeigen.

Der „Mars“ war Giambolognas persönliche Gabe an den Herrscher, als der toskanische Großherzog Francesco I. de Medici 1587 Kurfürst Christian I. von Sachsen drei andere Kleinbronzen des Künstlers zum Regierungsantritt sandte. Der bedankte sich für den Kriegsgott mit einer kostbaren Goldkette beim Künstler.

Das „Fürstengeschenk“ gehört zum ältesten Bestand der einstigen Dresdner Kunstkammer und den wichtigsten Schätzen der Skulpturensammlung. „Nessus und Delanira“, „Schlafende Venus“, „Fliegender Merkur“ und „Mars“ bildeten den Anfang des Sammelns virtuoser Kleinplastik am sächsischen Hof, sagte der Dresdner Galeriedirektor Stephan Koja. 1924 war der „Mars“ unter den Stücken, mit denen Sachsens Herrscher abgefunden wurden. Die Wettiner veräußerten ihn im Kunsthandel.

„Giambolognas ‚Mars‘ ist ein herausragendes Werk des Internationalen Manierismus und der politischen Ikonologie sowie zugleich ein Beispiel des souveränen, transregionalen Austausches zwischen Künstlern und Höfen“, sagte der Berliner Kunsthistoriker Professor Horst Bredekamp. Die Skulptur sei wegen ihres Status und als Dokument einer internationalen Kultur- und Sammlungsgeschichte, die sich um nationale Grenzen nicht kümmerte, ebenso bedeutend wie als ein Symbol, „das für die kulturelle Bildung von Industrie und Kapital steht“. Laut Bredekamp steht der „Dresdner Mars“ nun im 21. Jahrhundert dafür, „dass Zuwiderhandlungen gegen diese kulturelle Bestimmung in gemeinsamer Anstrengung überwunden werden können“.

Nach Präsentationen in Freiberg, Torgau und Chemnitz ist der „Dresdner Mars“ ab 7. Dezember wieder zu Hause - in der dann wiedereröffneten Sempergalerie.




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