Letztes Update am Do, 31.01.2019 18:01

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutsche Notenbank erwartet längere Wachstumsdelle



Mannheim/Frankfurt (APA/Reuters) - Die Schwächephase der deutschen Wirtschaft wird aus Sicht von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann womöglich länger anhalten als bisher gedacht. Die negativen Nachrichten könnten noch eine Weile andauern, sagte der Chef der deutschen Notenbank am Donnerstag in Mannheim. „Und entgegen unserer Prognose vom Dezember dürfte sich die Wachstumsdelle bis ins laufende Jahr erstrecken.“

Aus heutiger Sicht werde 2019 das Wirtschaftswachstum vermutlich deutlich unterhalb von 1,5 Prozent liegen. Noch im Dezember war die Deutsche Bundesbank von 1,6 Prozent ausgegangen. Die Bundesbank habe im Dezember noch erwartet, dass die jüngsten Probleme in der Autobranche in den Griff zu bekommen seien, sagte Weidmann. Die tatsächliche Entwicklung sei jedoch anders verlaufen. „So war die Autoproduktion auch noch im Dezember deutlich gedrückt. Hinzu kam, dass im November die Herstellung in anderen Industriebranchen kräftig nachgab.“

Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Konjunktur ist Weidmann zufolge hoch. Dabei verwies er auf den Brexit und den Handelsstreit. Einen Grund für Schwarzmalerei gebe es aber nicht. „Eine langgezogene Wachstumsdelle ist noch kein konjunktureller Totalschaden.“ Weder sehe er einen plötzlichen Einbruch noch eine längere Phase spürbar rückläufiger Wirtschaftsaktivität. Das Wachstum in Deutschland fuße auf einem starken Fundament aus günstigen Finanzierungsbedingungen, zunehmender Beschäftigung und steigenden Löhnen.

Nach einer Berechnung des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel ist Deutschland knapp an einer Rezession vorbeigeschrammt. Im vierten Quartal 2018 sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wohl um etwa 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegen, wie die Forscher am Donnerstag mitteilten. Somit sei es nicht zu einer technischen Rezession gekommen - also zwei Quartalen mit schrumpfender Wirtschaftsleistung. „Das legt die heute veröffentlichte Schnellschätzung vom europäischen Statistikamt Eurostat nahe, der zufolge die Wirtschaftsleistung im Euroraum im dritten Quartal um 0,2 Prozent gestiegen ist“, hieß es. Die Eurostat Schätzung basiert auf Angaben von 17 Mitgliedsstaaten, dabei sind auch bisher unveröffentlichte Daten zum deutschen BIP eingeflossen.

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Die deutschen Zahlen werden Mitte Februar vom deutschen Statistikamt bekanntgegeben. Im Sommer 2018 war die Wirtschaft in Deutschland um 0,2 Prozent geschrumpft. Für Ende 2018 hatten die Statistiker in einer groben Schätzung von einem „kleinen Plus“ gesprochen, ohne eine konkrete Zahl zu nennen.

Nach Ansicht von IfW-Forscher Stefan Kooths sind die „vergleichsweise mageren Zahlen“ noch kein Grund zur Sorge: Als Ursache für die Schwächephase in der zweiten Jahreshälfte 2018 sehen die Forscher sowohl eine insgesamt geringere konjunkturelle Dynamik als auch Sonderfaktoren: Das Niedrigwasser auf vielen Wasserstraßen und Probleme der Automobilindustrie bei der Umstellung auf den neuen Pkw-Prüfstandard WLTP bremsten demnach die Produktion. Die Konjunktur sei durch den Bauboom und eine hohe Kaufkraft der Verbraucher trotz geopolitischer Dämpfer „nach wie vor robust“.

~ WEB http://www.bundesbank.de ~ APA505 2019-01-31/17:57




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