Letztes Update am Fr, 01.02.2019 14:46

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Schweiz: Katholische Kirche forciert Prävention gegen Missbrauch



Bern (APA) - Künftig müssen Angestellte, die für die katholischen Kirche in der Schweiz arbeiten möchten, einen Privatauszug aus dem Schweizer Strafregister vorlegen. Diese Vorgabe ist Teil mehrerer Präventionsmaßnahmen, die das zuständige Fachgremium „Sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld“ den Schweizer Bischöfen im Kampf gegen Missbrauch vorschlug, wie Kathpress am Freitag berichtete.

Der Psychotherapeut und Theologe Toni Brühlmann, der das Fachgremium leitet, meinte am Donnerstag gegenüber dem Portal kath.ch, dass die neue Vorgabe auch für Männer gelte, „die in ein Priesterseminar aufgenommen werden möchten, und für Personen, die einem Orden beitreten wollen.“ Laut Brühlmann müssten zukünftig auch alle Schweizer Diözesen ein Präventionskonzept erarbeiten und einen Präventionsbeauftragten einsetzen.

Die Schweizer Bischöfe werden auf ihrer kommenden Vollversammlung Ende Februar darüber abstimmen, ob sie die Richtlinien entsprechend revidieren wollen. Die Aufgaben der Präventionsbeauftragten sollen die Begleitung und Umsetzung des Präventionskonzept gegen sexuellen Missbrauch umfassen, aber auch „sicherstellen, dass es schließlich auch umgesetzt wird“, so Brühlmann, der dem Fachgremium seit Beginn des Jahres vorsteht. Zudem soll die Thematik „Nähe und Distanz“ landesweit einen Platz in der Fortbildung kirchlicher Mitarbeiter bekommen.

Auch wenn die künftigen kirchlichen Mitarbeiter einen Auszug aus dem Schweizer Strafregister vorlegen müssten, sollen trotzdem die Persönlichkeitsrechte und das Amtsgeheimnis gewahrt bleiben, versicherte Brühlmann. Einblick erhielten lediglich die Anstellungsbehörden, der Ortsbischof und der Regens eines Priesterseminars. Den sogenannten Sonderprivatauszug gibt es in der Schweiz seit Anfang 2015. Er gibt Auskunft über Urteile, die ein Berufs-, Tätigkeits- oder Kontaktverbot zum Schutz von Minderjährigen oder anderen schutzbedürftigen Personen enthalten.

Die vom Fachgremium vorgeschlagenen Maßnahmen sollen laut Brühlmann Eingang in die Richtlinien der Schweizer Bischofskonferenz und der Vereinigung der Höheren Ordensobern der Schweiz finden. Die Schweizer Bischöfe haben bereits in ihrer letzten Versammlung Ende November 2018 über die Prävention von sexuellen Übergriffen in der Kirche debattiert. Sie kündigten damals an, dass das zuständige Fachgremium einen Katalog konkreter Maßnahmen ausarbeiten werde. Ziel sei es - so die Bischöfe -, eine konsequente und systematische Prävention in allen Bereichen des kirchlichen Lebens zu implementieren.




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