Letztes Update am Mi, 06.02.2019 11:35

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Washington und Teheran - In unversöhnlicher Feindschaft verbunden



Istanbul (APA/AFP) - Für die USA datiert der Bruch mit dem Iran auf den 4. November 1979, als radikale Studenten die US-Botschaft in Teheran besetzten. Aus Sicht des Iran jedoch geht die Feindschaft mit dem „Großen Satan“ auf den 19. August 1953 zurück, als der US-Geheimdienst einen Putsch gegen den demokratisch gewählten Ministerpräsidenten Mohammad Mossadegh organisierte und Schah Mohammed Reza Pahlevi wieder einsetzte, der den Iran bis zur Revolution 1979 mit harter Hand regierte.

In diesen Tagen, da sich die Revolution zum 40. Mal jährt, stehen sich Teheran und Washington so unversöhnlich gegenüber wie eh und je. Zwar gab es von beiden Seiten immer wieder Versuche, das Kriegsbeil zu begraben und die diplomatischen Beziehungen zu normalisieren. Doch in beiden Ländern sind die Verletzungen und das Misstrauen tief, und am Ende blockierten die Hardliner immer eine Versöhnung.

In Washington hat die Geiselnahme in der Teheraner Botschaft ein tiefes Trauma hinterlassen. Zwar war es nicht das erste Mal, dass US-Diplomaten in einer Botschaft als Geiseln genommen wurden, doch die gescheiterten Versuche von US-Präsident Jimmy Carter, die insgesamt 444 Tage festsitzenden Diplomaten freizubekommen, waren eine nationale Demütigung, die 1980 wesentlich zu dessen Wahlniederlage beitrugen.

Als die Studenten die Botschaft stürmten, geschah dies ohne Kenntnis des iranischen Revolutionsführers Ayatollah Khomeini. Die moderate Übergangsregierung von Mehdi Bazargan wollte die Geiselnahme rasch beenden, doch Khomeini erkannte die Chance, in der Krise seine Macht zu stärken. Als er die Besetzung zur „zweiten Revolution“ erklärte, trat Bazargan zurück.

Mit der Geiselnahme protestierten die Besetzer dagegen, dass die USA dem geflohenen Schah Asyl gewährten. Zugleich bestand die Furcht, dass der US-Geheimdienst aus dem „Nest der Spione“ erneut einen Putsch gegen die noch ungefestigte Islamische Republik organisiert, wie er dies 1953 gegen den Nationalisten Mossadegh getan hatte, nachdem dieser die Ölindustrie verstaatlicht hatte.

Viele Iraner haben den USA bis heute den Putsch gegen Mossadegh nicht vergeben, mit dem die erste unabhängige, demokratische und säkulare Regierung im Iran gestürzt wurde. Ebenfalls nicht vergessen ist, wie die USA anschließend 25 Jahre das autoritäre Geheimdienst-Regime des Schahs stützten und als Bollwerk gegen die Sowjetunion hochgerüsteten, obwohl es die Opposition brutal verfolgte.

Diese Politik der USA war einer der Gründe für die Revolution 1979. Nach ihrem Sieg wurde der Slogan „Tod Amerika“ zum Schlachtruf der islamistischen Führung, die eine Politik von „Weder Ost noch West“ propagierte. Wegen der Geiselnahme brach Washington seine diplomatischen Beziehungen zu Teheran ab, wo seine Interessen seitdem von der Schweizer Botschaft vertreten werden.

Im April 1980 ordnete Carter einen Militäreinsatz an, um die US-Geiseln zu befreien. Die riskante Aktion scheiterte jedoch, als einer der Hubschrauber in der iranischen Wüste mit einem Tankflugzeug kollidierte und acht Soldaten starben. Noch heute ist der Motor des verunglückten Helikopters vor der ehemaligen US-Botschaft zu sehen, in der eine Ausstellung an die Besetzung erinnert.

Trotz des Traumas der Geiselnahme, die erst nach dem Amtsantritt von US-Präsident Ronald Reagan im Jänner 1981 ein Ende fand, gab es wiederholt Versuche, die Feindschaft zu beenden. 1986 lieferten die USA sogar heimlich Waffen an Teheran, um US-Bürger aus der Hand der libanesischen Hisbollah-Miliz freizubekommen, doch scheiterte das Waffen-gegen-Geisel-Geschäft.

Zuletzt versuchte der moderate Präsident Hassan Rouhani, mit der Beilegung des Streits um das iranische Atomprogramm den Weg für eine Normalisierung mit Washington freizumachen. Als noch Barack Obama im Weißen Haus regierte, schien eine Entspannung tatsächlich möglich. Seit der Amtsübernahme des Iran-Feindes Donald Trump ist eine Aussöhnung jedoch wieder in weite Ferne gerückt.




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