Letztes Update am Do, 07.02.2019 12:47

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ski-WM: Fortsetzung von ÖSV-Serie in Damen-Kombi wäre Überraschung



Aare (APA) - Seit 1991 haben österreichische Ski-Rennläuferinnen bei allen Weltmeisterschaften eine Medaille in der Kombination geholt. Am Freitag (11.00/16.15 Uhr, live ORF eins) sollen es in Aare Christina Ager, Franziska Gritsch, Ricarda Haaser und Ramona Siebenhofer richten. „Die Medaillenchancen sind nicht besonders hoch“, sagte Damen-Rennsportleiter Jürgen Kriechbaum. „Die Favoritinnen sind die anderen.“

Wie Kriechbaum jedoch bekräftigte, sei „die eine oder andere Läuferin“ aus dem ÖSV-Quartett durchaus für eine Überraschung gut. Die Chancen sind sogar etwas größer, seitdem fix ist, dass zwei Favoritinnen fehlen werden. Zum einen verzichtet US-Abräumerin Mikaela Shiffrin freiwillig auf ihre Gold-Möglichkeit, um sich auf Slalom und Riesentorlauf zu konzentrieren. „Es wäre für sie aufgelegt“, urteilte auch Siebenhofer. Pyeongchang-Olympiasiegerin Michelle Gisin dagegen ist wegen einer schweren Knieverletzung nicht dabei.

Bleibt vor allem Gisins Schweizer Teamkollegin Wendy Holdener, die auch amtierende Weltmeisterin ist. Kriechbaum: „Holdener schlüpft sicherlich in eine Favoritenrolle hinein.“ Auch die Slowakin Petra Vlhova haben viele wegen ihrer Stärke im Slalom auf dem Zettel. Die Norwegerin Ragnhild Mowinckel und die Italienerin Federica Brignone sind andere Namen, die oft genannt werden.

„Es startet aber jeder bei null, ich glaube, dass man sich von dem Favoritenbonus auch nichts kaufen kann. Man muss es immer zuerst runterbringen“, meinte Haaser, die mit einer guten Platzierung liebäugelt. „Ich kann locker drauflosfahren“, meinte die 25-jährige Tirolerin. Sie denke, „dass das Slalomfahren recht stabil ist und dass ich mich eigentlich auf allen Disziplinen ziemlich wohlfühle“. Haaser war 2017 in Crans Montana Kombi-Fünfte, das gleiche Resultat schaffte Siebenhofer 2018 in Lenzerheide.

Auch sie spekuliert mit etwas Herzeigbarem. „Ich stehe ja nicht oben und sage, ich fahre jetzt, weil es lustig ist heute“, betonte die Steirerin. Ausrechnen können man sich allerdings schwer etwas, „weil wir haben jetzt schon ewig keinen Bewerb mehr gehabt. Ich bin jetzt auch nie mit Zeitnehmung Slalom gefahren“. Der Hang komme ihr aber vielleicht entgegen. „Das ist ein Gelände, wo ich vielleicht nicht so viel kassieren werde von einem Slalomfahrer.“

Im Weltcup fristet die Alpine Kombination tatsächlich ein Stiefkind-Dasein. Der bis dato letzte Bewerb fand im März 2018 in Lenzerheide statt. In diesem Weltcup-Winter wurde das erste geplante Rennen in Val d‘Isere abgesagt, nach der WM soll es in Crans Montana noch eine Kombination geben. „Das erste, was immer abgesagt wird, ist die Kombi, wenn einmal ein Wetter kommt. Ich frage mich, mit viel Ernst es von der FIS aus noch betrieben wird“, brachte es Siebenhofer auf den Punkt. Noch in Aare könnte das Aus für die Alpine Kombination beschlossen werden.

Bei der 21-jährigen Gritsch dominiert vor allem die Freude auf ihren ersten WM-Einsatz. Für Kriechbaum ging es bei der Aufstellung zuerst darum, „Läuferinnen zu finden, die überhaupt beide Disziplinen stark fahren können“. Da habe Gritsch ins Profil gepasst. „Ich weiß, dass ich in der Kombination recht gute Chancen habe, weil ich eine der übrig geblieben Allrounderinnen bin“, sagte die Tirolerin, die 2017 bei der Junioren-WM Kombi-Bronze gewann - in Aare. „Ja, ich war schon einmal da, und da ist es recht gut gelaufen.“

Ager begann im Weltcup vor sechs Jahren als Slalom-Spezialistin, ihr erstes Weltcup-Resultat war 2013 ein vierter Platz in Levi. Später sattelte sie aber auf Speed um. „Natürlich bin ich jetzt schon lange dabei, nur kann man den Slalom am Anfang nicht mit dem jetzt vergleichen. Ich glaube, da zählt einfach die Erfahrung ganz, ganz viel“, erklärte die 1,80 Meter große Sportlerin, die sich am Donnerstag noch mit Fieber herumschlug. „Slalom ist für sie nicht das Hauptthema, das ist Super-G und Abfahrt“, führte Kriechbaum aus. „Allerdings hat sie das Slalomfahren doch nicht ganz verlernt.“




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