Letztes Update am Do, 07.02.2019 15:20

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Prozess nach tödlichem Fenstersturz in Vbg. - Angeklagter schweigsam



Feldkirch (APA) - Ein 31-jähriger Mann, der im Juni 2018 in Bregenz über 100 Polizisten und Cobra-Einsatzkräfte mehr als drei Stunden in Atem gehalten hat, muss sich seit dem frühen Donnerstagnachmittag vor dem Landesgericht Feldkirch verantworten. Bei einem Streit stürzte zunächst seine Freundin aus dem Fenster und verletzte sich tödlich, danach soll er seine Schwägerin und ein Kind als Geiseln festgehalten haben.

Angeklagt wurde der Mann wegen schwerer Nötigung, Widerstands gegen die Staatsgewalt, gefährlicher Drohung und Gefährdung der körperlichen Sicherheit, nicht aber wegen Mordes. Die diesbezüglich gegen den 31-Jährigen geführten Ermittlungen hatten keine Hinweise auf eine Gewalteinwirkung vor dem tödlichen Fenstersturz ergeben.

Vor Gericht gab sich der Angeklagte zu Beginn des Prozesses schweigsam. Auf die Frage der Richterin, warum er nicht antworte, entgegnete er kurz: „Wenn ich nicht antworten will, dann antworte ich nicht“. Zumindest wurde geklärt, dass der 31-Jährige mit der zu Tode gekommenen 27-Jährigen bis 2012 verheiratet war, anschließend erfolgte die Scheidung. Zuletzt waren sie aber wieder als Lebensgefährten zusammen.

Im Juni vergangenen Jahres war die Polizei gerufen worden, weil eine Nachbarin zum wiederholten Male einen Streit zwischen dem 31-Jährigen und seiner Lebensgefährtin gemeldet hatte. Als jedoch die erste Streife bei der Wohnung des Paares aus Rumänien eintraf, stürzte gerade die 27-Jährige aus dem Fenster aus mindestens acht Metern Höhe. Ihr Freund schien währenddessen am Fenster mit einer Schusswaffe zu hantieren - einer Schreckschusswaffe, wie sich später herausstellte. Sofort wurde ein Großeinsatz ausgelöst. Das Umfeld des Hauses, in dem sich die Tragödie abspielte, wurde großräumig abgesperrt. Manche der umliegenden Gebäude wurden evakuiert, weil man davon ausging, dass der 30-Jährige weitere Leben gefährden könnte.

Dieser aber hatte sich in der Wohnung verschanzt und behielt zunächst seine Schwägerin und ein vier Jahre altes Kind bei sich in der Wohnung gefangen. Erst durch die Intervention einer Verhandlungsgruppe erlaubte er die Bergung der 27-Jährigen mit einem Panzerwagen des Einsatzkommandos Cobra - der Notarzt konnte nur noch ihren Tod feststellen -, danach ließ er auch die Schwägerin und das Kind gehen. Anschließend versuchte das Verhandlungsteam den Mann zur Aufgabe zu bewegen, was allerdings nicht gelang. Bei der Übergabe einer Zigarettenpackung an den 30-Jährigen griff das Einsatzkommando Cobra zu, der Mann konnte jedoch flüchten und sprang aus demselben Fenster, aus dem seine Lebensgefährtin gestürzt war. Dabei erlitt er schwere Verletzungen.

Auf den Tatbestand der schweren Nötigung stehen laut Strafgesetzbuch ein bis zehn Jahre Haft. Die Verhandlung war bis 18.00 Uhr angesetzt.




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