Letztes Update am Do, 07.02.2019 15:42

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sozialamtsleiter erstochen - Sicherheitskonzept in NÖ wird evaluiert



St. Pölten (APA) - In Niederösterreich werden seit einem halben Jahr die bestehenden Sicherheitsmaßnahmen in den 20 Bezirkshauptmannschaften evaluiert. Nach einem tödlichen Vorfall am Standort für Wien-Umgebung in Klosterneuburg 2011 lege man „besonderes Augenmerk“ auf die Sicherheit in allen Bezirkshauptmannschaften, sagte Gerhard Tretzmüller, Abteilungsleiter Gebäudeverwaltung im Amt der NÖ Landesregierung.

Als wichtigen Punkt nannte Tretzmüller einen externen Sicherheitsdienst, um Eingangsbereiche und Gebäude zu bewachen. Zudem sind alle Räume von Mitarbeitern, die in sensiblen Bereichen tätig sind, mit einer „Paniktaste“ ausgestattet, mit der eine direkte Verbindung zur Polizei hergestellt werden kann. Weiters wurden Schulungen durchgeführt. Personenkontrollen bzw. Schleusen gibt es weder in den Bezirkshauptmannschaften noch im Landhaus in St. Pölten.

„Seit einem halben Jahr wird evaluiert, ob die Maßnahmen ausreichen“, sagte Tretzmüller. „Aktuell erarbeiten wir in Zusammenarbeit mit Experten der Landespolizeidirektion ein Gesamtkonzept zur Stärkung der Sicherheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Ergebnisse soll es im Frühjahr geben. Kurzfristig könne die von Experten empfohlene Maßnahme vorzeitig umgesetzt werden, dass nur mehr ein Eingang in den Bezirkshauptmannschaften benützt werden darf. Bedrohungen und Beschimpfungen gebe es an den Behördenstandorten in Niederösterreich, Tätlichkeiten bzw. Körperverletzungen hingegen in letzter Zeit nicht.

In den vergangenen zehn Jahren hat es in Niederösterreich zwei Mal tödliche Schüsse in einer Bezirkshauptmannschaft bzw. einem Bezirksgericht gegeben. Beide Vorfälle führten zu verschärften Sicherheitsvorkehrungen. Am 16. Dezember 2009 war die Vorsteherin der Geschäftsstelle des Bezirksgerichts Hollabrunn von einem 57-Jährigen durch einen Kopfschuss getötet worden. Der Mann hatte zudem versucht, mit der Pistole eine Richterin zu erschießen, von der er sich in seinem Scheidungsverfahren ungerecht behandelt fühlte. Die 42-jährige Angestellte, die sich ihm in den Weg gestellt hatte bzw. versuchte, ihn zu beruhigen, starb durch einen Schuss aus nächster Nähe.

Am 22. März 2011 war der Leiter der Forstabteilung der Verwaltungsbehörde des inzwischen aufgelösten Bezirks Wien-Umgebung von einem 58-Jährigen mehrmals angeschossen worden. Der 60-Jährige erlag zwei Wochen später im AKH Wien seinen Verletzungen. Der Täter hatte eine Mitarbeiterin sechs Stunden lang als Geisel genommen und nach der Befreiung der 52-Jährigen Suizid begangen. Auslöser für die Tat war ein jahrelanger Streit mit der Behörde um illegale Aufschüttungen auf dem Grundstück des Mannes, in Folge dessen auch seine Pferde versteigert bzw. von einem Verein versorgt werden hätten sollen. Der Niederösterreicher habe drei Mitarbeitern deswegen „eine Lehre erteilen wollen, die sie ihr Leben lang nicht vergessen“, hieß es.




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