Letztes Update am Do, 07.02.2019 18:56

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Frankfurter Börse



Frankfurt am Main (APA/dpa-AFX) - Ein Potpourri an schlechten Nachrichten hat den Anlegern am deutschen Aktienmarkt am Donnerstag die zuletzt verbesserte Laune vermiest. Durchwachsene Unternehmensberichte, rückläufige Konjunkturdaten und die schwache Wall Street gehörten dazu. Am Ende sackte der DAX um 2,67 Prozent auf 11.022,02 Punkte ab, womit er auf Tagestief schloss und sich der Marke von 11.000 Punkten wieder gefährlich näherte.

Die Rally, die ihn am Dienstag noch auf den höchsten Stand seit Anfang Dezember getrieben hatte, war schon am Vortag zum Erliegen gekommen. Nun aber gerieten die deutschen Industriewerte so richtig unter die Räder, nachdem erneut schwache Produktionszahlen aus dem verarbeitenden Gewerbe vermeldet worden waren. Außerdem gab es aus den USA erneute Signale, dass bei einer erhofften Lösung des Handelsstreits mit China noch ein langer Weg zu gehen ist.

Am Markt war vor diesen Hintergründen von Gewinnmitnahmen die Rede, denen sich auch die Aktien am breiteren Markt nicht entziehen konnten: Der MDAX der mittelgroßen Werte büßte am Donnerstag 2,59 Prozent auf 23.489,62 Punkte ein.

Der gesamteuropäische Euro-Stoxx verlor fast 2 Prozent auf 3.150,76 Zähler. In Paris erlitt der CAC ähnlich deutliche Abschläge, während der Londoner FTSE-100 etwas weniger stark um 1,11 Prozent fiel. Dort stand eine wegen dem Brexit gesenkte Wachstumsprognose der Bank of England im Mittelpunkt.

Den konjunktursensiblen Aktien setzte zu, dass die deutsche Gesamtproduktion im Dezember überraschend zum vierten Mal in Folge gesunken war. Ein besonders starker Rückgang zeigte sich in der Bauproduktion, was die Aktien von HeidelbergCement um mehr als 4 Prozent nach unten drückte. Ähnlich schlecht erging es den Chemie-, Auto- und Finanzwerten. Defensive Sektoren wie Gesundheit oder Versorger erlitten dagegen die kleinsten Verluste. Letztlich schloss der DAX aber ohne Gewinner.

Auch die US-Börsen waren am Donnerstag deutlich unter Druck geraten, wie der zuletzt 1,3 Prozent schwächere Leitindex Dow Jones Industrial zeigt. Die negative Entwicklung in New York wurde vor allem darauf zurückgeführt, dass es aus dem Umfeld der Regierung von Donald Trump Andeutungen gab, wonach eine Lösung des Handelsstreits mit China nicht unmittelbar bevorstehe. Dies dämpfte die Hoffnung, dass der Markt zeitnah von dieser Last befreit werden kann.

Am DAX-Ende ließ ein neuer Bericht in der „Financial Times“ mit Vorwürfen gegen Wirecard die Papiere des Zahlungsabwicklers erneut um 15 Prozent einbrechen. Die Stabilisierung der vergangenen Tage nach einer zwischenzeitlichen Erklärungsoffensive des Unternehmens erhielt so einen herben Dämpfer. Wirecard reagierte erneut mit einer Zurückweisung der Berichterstattung in dem Blatt.

Ansonsten standen unternehmensseitig Quartalsberichte und Ausblicke im Fokus der Anleger, die eher enttäuschten. Im DAX wurden die Aktien von Thyssenkrupp von den Geschäftszahlen der Branchenkollegen Voestalpine und ArcelorMittal sowie einem skeptischen Analystenkommentar des Bankhauses Metzler belastet - mit Abgaben von letztlich 5 Prozent.

Ähnliches zeigte sich auch bei den Autowerten, wo Fiat Chrysler die Branche mit einem trüben Ausblick verschreckte. Im DAX setzten Daimler ihren Kursrutsch vom Vortag, als die Stuttgarter ihre Anleger mit schwachen Zahlen und einer niedrigen Dividende überrascht hatten, mit einem Kursrutsch um 5,25 Prozent fort. BMW und Volkswagen folgten mit ebenfalls deutlichen Verlusten.

Im MDAX schockte der Maschinenbauer Gea seine Anleger mit der Kappung der mittelfristigen Ziele. Die Aktie brach um fast 18 Prozent ein. Analyst Peter Rothenaicher von der Baader Bank nannte den Ausblick „desaströs“ und schrieb, die Glaubwürdigkeit des Managements leide zunehmend.

Auch im SDAX hatte eine Zahlenvorlage einen herben Kursrutsch zur Folge: Heidelberger Druck gingen dort mit fast 9 Prozent in die Knie. Vor allem der für Anleger interessante Cashflow hatte enttäuscht.

~ ISIN DE0008469008 ~ APA517 2019-02-07/18:52




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