Letztes Update am Do, 07.02.2019 19:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Nach Flugchaos 2018: Deutscher Verband rechnet mit schwierigem Sommer



Berlin (APA/dpa) - Nach dem Flugchaos im Sommer 2018 mit Ausfällen und Verspätungen könnten in diesem Jahr wieder viele Probleme auf Passagiere zukommen. „Wir müssen damit rechnen, dass der Sommer 2019 auch schwierig werden wird“, sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Klaus-Dieter Scheurle, am Donnerstag in Berlin.

Man werde zugleich alles versuchen, „damit sich das Chaos des Sommers 2018 dieses Jahr nicht wiederholt“, sagte Scheurle. Die Branche hatte in ganz Europa einen katastrophalen Sommer erlebt - Passagiere waren frustriert über geplatzte Urlaubspläne und viele Verspätungen. Im Herbst kamen die deutsche Luftverkehrswirtschaft und Politiker dann zu einem Gipfel zusammen und verständigten sich auf eine Reihe von Maßnahmen, um Missstände im Luftverkehr zu beheben.

Mit einem Monitoring soll auch die Entwicklung der Verspätungen beobachtet werden, wie es vom Verband weiter hieß. BDL-Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow kündigte für den 28. März konkrete Zahlen dazu an. Dann will sich die Branche erneut mit der Politik zusammensetzen. Sowohl bei Pünktlichkeit der Flüge als auch bei Annullierungen sei man in ganz Europa weiter auf einem „unbefriedigenden Niveau“.

Das gelte auch für die deutschen Fluggesellschaften, sagte von Randow. Als Gründe für die Entwicklung im vergangenen Jahr werden unter anderem Engpässe im europäischen Flugsicherungsraum, aber auch Streiks, viele Gewitter und die Folgen der Air-Berlin-Pleite genannt.

Der Verband rechnet für dieses Jahr in Deutschland mit einem Wachstum des Luftverkehrs. So lägen die Anmeldungen für den Flugplan um 2,3 Prozent über Vorjahr - unabhängig von der jüngsten Insolvenz von Germania. Präsident Scheurle sagte, dies erhöhe die Anforderungen an die Infrastruktur am Boden und in der Luft. „Vor diesem Hintergrund brauchen wir nun dringend strukturelle Veränderungen, damit der Luftverkehr nicht an seine Grenzen stößt.“ Die Kapazität im europäischen Flugsicherungsraum müsse etwa erhöht werden, forderte er. Hier sei vor allem die europäische Politik gefragt.

Die Pleite der Berliner Airline Germania wird nach Einschätzung des Verbandes langfristig wohl keine negativen Folgen auf das Flugangebot in Deutschland haben. Durch die Insolvenz wurde der Flugbetrieb eingestellt - diese Lücke werde aber schnell kompensiert werden. Er sehe keine Belastung für den heimischen Luftverkehrsstandort, sagte Scheurle. Es gebe hierzulande einen sehr starken Wettbewerb und große Kapazitäten anderer Airlines.

Am Donnerstag wurde bekannt, dass die Fluglinie Tui fly am Airport Nürnberg einen Teil der dortigen Germania-Flugverbindungen zum Start des Sommerflugplans übernimmt. Die Insolvenz könnte nach Scheurles Einschätzung aber dazu führen, dass die Marktanteile ausländischer Airlines steigen und die Anteile deutscher Firmen sinken.

Anfang der Woche hatte Germania Insolvenz angemeldet. Bei der Airline sind fast 1.700 Mitarbeiter beschäftigt. Vor allem an einigen kleineren Flughäfen hatte Germania einen hohen Anteil am Flugverkehr.




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