Letztes Update am Fr, 08.02.2019 08:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Mabacher“ - Doku-Hommage an einen Unzerbrechlichen



Wien (APA) - Knochen aus Glas, aber ein robustes Gemüt: Martin Habacher, Youtuber und Influencer, Rollstuhlfahrer, Social Media-Berater, Inklusions-Aktivist, zur Welt gekommen mit Glasknochenkrankheit und auch nach zahllosen Knochenbrüchen „#ungebrochen“. So lautet auch der Untertitel von „Mabacher“, einer Doku-Hommage an den zerbrechlichen Unzerbrechlichen, die am Freitag in den Kinos anläuft.

Martin Habacher selbst hat den Kinostart der bereits 2017 veröffentlichten Doku von Stefan Wolner - die seither auf zahlreichen Festivals mit Preisen ausgezeichnet wurde - knapp nicht mehr erlebt, er starb am 20. Jänner. Das ist, wenn man den Film gesehen hat, sich auf seiner „Blogger on Wheels“-Seite umtut oder seine „mabacherTV“-Beiträge mit hochkarätigen Interviewpartnern anschaut, kaum vorstellbar. Trotz schwerer körperlicher Behinderung strahlte der schlagfertige kleine Mann im Rollstuhl kaum Gebrechlichkeit aus, scheute keine Konfrontation, keine Tabus und keine Herausforderung.

Stefan Wolner, der mit Habacher bereits für den Kurzfilm „Goldfisch99“ zusammenarbeitete, begegnet seinem Protagonisten so, wie dieser es gar nicht anders zugelassen hätte: Auf ebenso tatsächlicher wie sprichwörtlicher Augenhöhe, er inszeniert ihn weder als Opfer, noch als Held, sondern bietet den nüchternen und einfühlsamen Einblick in dessen anderen, härter erkämpften Alltag als wertfreie Lernfläche dar. Ob mit seinen humorvollen Barrierefreiheits-Tests, mit seinen erfrischend direkten Erinnerungen an seine Kindheit, ob auf Reisen oder unter Freunden: Martin Habacher macht seine Behinderung ebenso offensiv zum Thema wie er sich weigert, sich darüber ausschließlich zu definieren.

„Die Selbstbestimmtheit des Protagonisten wird den ZuseherInnen nicht plakativ erklärt, sondern als selbstverständliche Gegebenheit dargelegt“, lobte die Jury des Österreichischen Dokumentarfilmpreises 2018 in ihrer Zuerkennung. „Mabacher - #ungebrochen“ kann deswegen auf inspirative Floskeln genauso verzichten wie auf falsches Bildpathos. Martin Habacher und ihm Nahestehende sprechen - auch - über das Schwere, sparen Fragen von Sexualität, Tod, von Überforderung der Eltern, von unerfüllbaren Wünschen und peniblen Vorbereitungen der eigenen Beerdigung nicht aus. Sie wollen dafür Mitgefühl, aber nicht Mitleid.

Sie wollen Barrieren sichtbar machen und abschaffen, aber nichts unnötig verkomplizieren. Inklusion, sagt Habacher, das sein für ihn, wenn er zu einer Party eingeladen werde und dann auch dort hineinkommen, aufs Klo gehen und sich betrinken könne. So einfach - oder eben nicht. Martin Habacher wurde 41 Jahre alt.

(S E R V I C E - http://mabacherfilm.com)




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