Letztes Update am Fr, 08.02.2019 10:28

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Frankreich: „Botschafter-Abzug aus Rom nicht permanent“



Rom/Paris (APA) - Der Abzug des französischen Botschafters aus Italien ist nicht permanent. „Es war jedenfalls wichtig, Italien ein Signal zu geben“, sagte der Sprecher der französischen Regierung, Benjamin Griveaux, am Freitag im Interview mit „Europe 1“. Paris hatte am Donnerstag seinen Botschafter aus dem Nachbarland für Gespräche zurückbeordert.

Zur Begründung teilte das Außenministerium mit, die jüngsten Einmischungen Italiens seien eine „inakzeptable Provokation“. Die populistische Regierung aus der rechten Lega und europakritischer Fünf-Sterne-Bewegung in Rom greift Macron immer wieder an.

Neben dem EU-Budget hatte es Streit über die europäische Flüchtlingspolitik und das Rettungsschiff „Aquarius“ gegeben. Auch wegen der „Gelbwesten“ gab es Ärger: Vize-Regierungschef Luigi Di Maio hatte wiederholt seine Unterstützung für die Protestbewegung zum Ausdruck gebracht und sich mit Aktivisten getroffen.

Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi warnte vor der internationalen Isolierung seines Landes wegen der Politik der populistischen Regierung in Rom. „Ich hoffe, dass Vizepremier Matteo Salvini eine Lösung findet“, sagte Berlusconi Medienangaben zufolge.

Kritisch erklärte sich auch der ehemalige italienische Premier Paolo Gentiloni (PD). „Populistische Bewegungen suchen ständig nach einem Feind. Es ist lächerlich, unseren französischen Nachbarn als Feind zu betrachten. Mit Frankreich haben wir ähnliche politische und wirtschaftliche Interessen“, so Gentiloni im Interview mit der italienischen Tageszeitung „La Stampa“ (Freitagsausgabe).

Der italienische Industriellenverband Confindustria zeigte sich wegen den Differenzen zwischen Italien und Frankreich besorgt. „Die Grenze ist überschritten worden. Die Regierungsparteien haben noch nicht begriffen, dass sie das Land führen und dass die Zeit der Opposition zu Ende ist. Ihr Verhalten ist unbegreiflich und schadet Italien und vor allem der Wirtschaft. Diese Situation ist in der Geschichte der italienischen Republik präzedenzlos“, klagte Industriellenchef Vincenzo Boccia.




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