Letztes Update am Fr, 08.02.2019 16:23

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Lastwagen mit Lebensmitteln und Medizin erreichen Venezuelas Grenze



Caracas (APA/dpa) - Die humanitäre Hilfe für Venezuela rollt an: Die ersten Lieferungen für die notleidende Bevölkerung sind in der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta eingetroffen. Zehn Lastwagen mit rund 100 Tonnen Lebensmitteln, Medizin sowie Hygieneartikel trafen in ein Lager nahe der Tienditas-Brücke ein, wie der kolumbianische Katastrophenschutz (UNGRD) am Donnerstag (Ortszeit) mitteilte.

Die Brücke wurde allerdings vor Tagen von der venezolanischen Regierung blockiert. Menschen am Straßenrand jubelten den Lkw zu.

Venezuelas selbst ernannter Interimspräsident Juan Guaidó will die über die US-Entwicklungsbehörde USAID zur Verfügung gestellte Hilfe nach Venezuela schaffen lassen. Weitere Lieferungen sollen im ebenfalls benachbarten Brasilien sowie auf einer Karibikinsel - laut Medienberichten ist es Puerto Rico - zum Transport in das südamerikanische Krisenland bereitgestellt werden.

Der sozialistische Staatschef Nicolás Maduro lehnt dies allerdings weiter ab. Auf einer Veranstaltung vor seinen Anhängern erklärte er in Caracas, in seinem Land existiere keine humanitäre Krise. „In den vergangenen Jahren hatten wir wegen der Sanktionen Probleme, Lebensmittel und Medikamente zu importieren“, räumte Maduro in einem Interview der mexikanischen Zeitung „La Jornada“ ein. „Aber eine humanitäre Krise gibt es nicht, und wird es nicht geben.“

Tatsächlich fehlt es in dem Erdölstaat am Nötigsten. Wegen fehlender Devisen kann das einst reiche Land kaum noch Lebensmittel, Medikamente und Dinge des täglichen Bedarfs importieren. Viele Menschen hungern, und rund drei Millionen Venezolaner sind vor dem Elend in ihrer Heimat bereits ins Ausland geflohen.

„Wenn Maduro die Hilfslieferungen nicht durchlässt, werden wir Venezolaner sie mit Gewalt rüberschaffen“, sagte die Venezolanerin Elsy Olarte in der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta dem Fernsehsender Caracol. „Wir tun uns alle zusammen und sorgen dafür, dass diese Medikamente, Kleider und Lebensmittel nach Venezuela kommen.“

Maduro hält die Hilfslieferungen allerdings für einen Vorwand für eine US-Militärintervention. So steht es auch in einem Brief „an das amerikanische Volk“, den Maduro an das Weiße Haus schicken will. „In diesen Tagen entscheidet sich die Zukunft unserer Länder zwischen Krieg und Frieden“, heißt es in dem Schreiben, für das er nach eigenen Angaben Millionen Unterschriften seiner Landsleute gesammelt hat.

Bereits vor Tagen hatten die venezolanischen Behörden die Tienditas- Autobahnbrücke mit dem Auflieger eines Tanklastzugs und zwei Containern gesperrt. „Maduro soll aufhören, so egoistisch zu sein. Er hat zu essen, er hat Geld. Und jene, die am Boden liegen, interessieren ihn nicht“, sagte die Venezolanerin Eduviges García im Fernsehsender Caracol.

Um die Hilfsgüter nach Venezuela zu schaffen, braucht die Gegenregierung um Guaidó die Unterstützung der Streitkräfte, die die Grenze kontrollieren. Allerdings stehen die mächtigen Militärs bisher noch an der Seite Maduros. Viele Generäle besetzen wichtige Posten in der Wirtschaft, einige sollen auch in kriminelle Geschäfte verwickelt sein. Das bindet sie an Maduro.

„Maduro kauft ihre Loyalität“, sagte der Kommandant des Süd-Kommandos der US-Streitkräfte, Craig Faller, zuletzt bei einer Anhörung vor einem Ausschuss des Senats. „Die Mannschaftsdienstgrade hungern, genauso wie das Volk.“ Allerdings werden die unteren Ränge streng kontrolliert, offenbar auch mit Hilfe des kubanischen Geheimdienstes. Rund 180 Militärs sitzen wegen politischer Vergehen in Haft.

Angesichts der Not der Bevölkerung und des internationalen Drucks stehen die Soldaten nun vor einem Dilemma. Stoppen sie die Hilfslieferungen, verspielen sie ihren Rückhalt unter den Venezolanern. Lassen sie die Güter aber passieren, verweigern sie damit einen direkten Befehl von Präsident Maduro.




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