Letztes Update am Mo, 11.02.2019 14:40

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Erdogans neuer Feind: Wirtschaftskrise ist „Lebensmittel-Terror“



Istanbul (APA/dpa) - Angesichts der schnell steigenden Lebensmittelpreise in der Türkei hat die Regierung damit begonnen, billiges Gemüse direkt an die Bürger zu verkaufen - und Präsident Recep Tayyip Erdogan hat bereits wieder einen neuen Feind ausgemacht: Nicht die von seiner Regierung mitverursachte schlechte wirtschaftliche Lage, sondern „Lebensmittel-Terror“ sei für die Lage verantwortlich.

Im Fernsehen waren am Montag lange Schlangen an in Innenstädten aufgestellten Zelten zu sehen. CNN Türk zufolge soll es in der Hauptstadt Ankara 30 Verkaufsstellen geben. In Istanbul sollen es 50 sein. Wie viele Verkaufsstellen insgesamt eingerichtet wurden, blieb zunächst unklar.

Erdogan sagte während einer Rede in Ankara, so, wie man Terroristen bekämpfe, wolle man jetzt auch die bekämpfen, die „Lebensmittel-Terror“ verbreiteten. Erdogan macht dafür gierige Händler und „Kräfte aus dem Ausland“ verantwortlich.

Die hohen Lebensmittelpreise sind ein Politikum, und der staatliche Gemüsehandel wohl mehr Wahlkampf-Strategie als eine Erleichterung für die Geldbörsen von 82 Millionen Türken. Am 31. März sind Kommunalwahlen. Die jährliche Teuerungsrate lag jüngst bei 20,35 Prozent. Besonders teuer sind Lebensmittel und nicht-alkoholische Getränke geworden. Im Jänner 2019 kosteten Produkte aus dieser Kategorie im Durchschnitt 30,97 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Bei Paprika waren es dem türkischen Statistik-Institut TÜIK zufolge sogar rund 88 Prozent mehr, bei Melanzani rund 81 Prozent.

Nach den Worten Erdogans soll es ähnliche Initiativen bald auch bei Putzmitteln geben. „Somit werden meine Bürger, meine Schwestern Ayse und Fatma, mein Ahmet und mein Mehmet auf idealste Weise von diesem Rabatt profitieren.“




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