Letztes Update am Di, 12.02.2019 11:29

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mögliches Ziel für Blutkrebstherapien entdeckt



Wien (APA) - Für einem kleinen Teil der Patienten mit der häufigsten Form akuter Leukämie, der akuten myeloischen Leukämie (L), haben Wiener Wissenschafter jetzt ein mögliches Ziel für zukünftige Therapien identifiziert. Es handelt sich um ein onkogen wirkendes Protein, dessen Funktionieren von einem epigenetischen Hilfsmechanismus abhängt.

AML ist die häufigste Form der akuten Leukämien. Nur ein Viertel aller AML-Patienten überlebt nach der Diagnose der Erkrankung die folgenden fünf Jahre. Die am Ludwig-Boltzmann-Institut für Krebsforschung von Wissenschaftern der Vetmeduni Vienna und der Meduni Wien durchgeführte Studie identifizierte nun einen möglichen Ansatz zur Behandlung von AML, welche eine mutierte und dadurch onkogen wirkende Form des für die Blutzellreifung wichtigen Proteins C/EBP-alpha aufweist. Die Interaktion von mutiertem C/EBP-alpha mit einem epigenetischen Regulator, dem sogenannten MLL1-Komplex, könnte eben dieser Ansatzpunkt sein. Wurde der Komplex im Labor funktionell gehemmt, starben diese Zellen ab. Mit einer gezielten Inhibition von MLL1 könnte demnach die Blockade der normalen Blutzell-Reifung bei bestimmten AML-Patienten potenziell aufgehoben werden.

Der sogenannte Transkriptionsfaktor C/EBP-alpha (CCAAT/enhancer binding protein alpha) ist ein äußerst wichtiger Faktor in der Blutentwicklung. Bei einer Hemmung entstehen - wie bei der AML - nur unreife Blutzellen. Bei zehn bis 15 Prozent aller AML-Patienten weist das CEBPA-Gen Mutationen auf, welche die Ausbildung der korrekten Proteinform verhindern. „Das führt dazu, dass lediglich ein verkürztes C/EB-alpha-Protein, die sogenannte Isoform p30, hergestellt wird, was einen unreifen Zellzustand begünstigt und dadurch Leukämie auslösen kann“, erklärte Erstautorin Luisa Schmidt.

Die durch die Mutation entstehende und onkogen wirkende Proteinvariante (C/EBP-alpha p30) macht sich sogenannte epigenetische Mechanismen zunutze, um die Genexpression in Leukämiezellen zu steuern. Daran maßgeblich beteiligt ist der sogenannte MLL1-Komplex, der die Aktivierung von Genen in Blut-Stammzellen wichtig ist. „Mit einer Kombination aus biochemischen, genetischen und pharmakologischen Ansätzen konnten wir nun zeigen, dass der MLL1-Histon-Methyltransferase-Komplex eine kritische Schwachstelle bei AML mit CEBPA-Mutationen darstellt“, erklärte die Wissenschafterin. Hemmte man im Labor MLL1 bei AML-Zellen, kam die Ausreifung zu normalen Blutzellen wieder in Gang.




Kommentieren