Letztes Update am Di, 12.02.2019 11:34

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Coface: Firmen 2019 ähnlich gefordert wie zu Schuldenkrise 2011/12



Wien (APA) - Das weltweite Wachstum hat sich Ende 2018 verlangsamt und so die Aussichten für 2019 eingetrübt. Erstmals seit der Staatsschuldenkrise 2011/12 müssen Unternehmen aus Sicht des Kreditversicherers Coface heuer gleichzeitig zwei „Fallstricke“ beachten, nämlich die Konjunkturabschwächung und die politischen Risiken.

Anders als üblich schwächle die Wirtschaft in Westeuropa vor jener in den USA, und es werde in 20 von 26 analysierten europäischen Ländern zu einem Anstieg der Firmeninsolvenzen kommen. Konkret wird ein Plus von 1,2 Prozent für die Eurozone und von 6,5 Prozent in Zentraleuropa erwartet. Das erhöhte Kreditrisiko für Unternehmen beruhe auf der konjunkturellen Abschwächung den anhaltenden politischen Unsicherheiten, so Coface-Österreich-Country-Manager Michael Tawrowsky.

Besonders betroffen sieht Coface die Automobilbranche, in der sich - nach rund acht Jahren Wachstumszyklus - nun eine Verlangsamung abzeichne. In fast allen westeuropäischen Ländern sowie in Zentral- und Osteuropa habe man den Sektor auf mittleres Risiko herabgestuft - und auf hohes Risiko in Latein- und Nordamerika, hieß es am Dienstag in einer Aussendung.

2019 werde in Europa das politische Risiko ein wichtiges Thema sein. Der Coface-Indikator für das soziale Risiko befinde sich auf dem höchsten Stand seit 2010. Solche Risiken würden sich häufig rund um Wahlen manifestieren, betonen die Experten. Daher müssten jene in Griechenland sowie mögliche frühe Urnengänge in Italien, Spanien und Deutschland unter strenger Beobachtung stehen. Und, so warnt der Kreditversicherer: Die Ausbreitung sozialer Unzufriedenheit und die zunehmende Beliebtheit anti-europäischer Parteien könnten nach den Europawahlen im Mai 2019 zu einem sehr fragmentierten EU-Parlament führen, wird gewarnt.

Auf die Schwellenländer wirke das globale Umfeld unterschiedlich. Einerseits setze die Verlangsamung des Wachstums in der Eurozone (auf +1,6 Prozent im Jahr 2019) und den USA (+2,3 Prozent) diese Länder „Ansteckungseffekten“ aus, hauptsächlich durch Handelsströme. Andererseits wirke sich die Dämpfung des US-Wachstums insofern positiv auf sie aus, als die Wahrscheinlichkeit weiterer US-Zinserhöhungen abnehme und so das Risiko eines Kapitalabflusses aus Schwellenländern sinke.




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