Letztes Update am Di, 12.02.2019 12:13

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Buprenorphin-Pflaster besonders für chronische Schmerzen geeignet



Wien (APA) - Schmerzpflaster mit dem Opioid Buprenorphin könnten dazu beitragen, den Schmerzmittelkonsum von Patienten mit schweren chronischen Schmerzen zu reduzieren. Das zeigt eine neue Übersichtsarbeit zur wissenschaftlichen Literatur, wie eine Expertin anlässlich der 18. Österreichischen Schmerzwochen am Dienstag berichtete.

Zwischen 1,5 bis 1,8 Millionen Menschen leiden in Österreich an chronischen Schmerzen. In besonders schweren Fällen helfen Opioide. Durch eine allzu sorglose Verordnungspraxis in den USA ist die Sicherheit dieser Substanzgruppe zuletzt verstärkt in Diskussion geraden. Eine systematische Übersichtsarbeit von fünf aktuellen Studien attestierte jetzt dem Opioid Buprenorphin in Form von Pflastern gute Sicherheit und Wirksamkeit.

„Eine der einbezogenen Studien legt beispielsweise nahe, dass die Anwendung von Buprenorphinpflastern dazu führen kann, die tägliche Opioid-Dosis insgesamt zu reduzieren. Evaluiert wurden über 31.500 Patientinnen und Patienten, denen im Studienzeitraum das Opioid für die Langzeitanwendung neu verschrieben wurde und die insgesamt einen hohen Medikamentenverbrauch aufwiesen: 88 Prozent hatten bereits Opioide in den vorangegangenen sechs Monaten erhalten. 80 Prozent hatten - meist begleitend zur transdermalen Verordnung - ein sofort wirksames Opioid verschrieben bekommen. Während der durchschnittlich hunderttägigen Anwendung des Pflasters sank ihre gesamte ‚Opioidbelastung‘ um 24 Prozent, konkret von 74,5 auf 42,8 Morphin-Milligramm-Äquivalente pro Tag“, hieß es am Dienstag in einer Aussendung.

Aus anderen Studien geht hervor, dass die Dosierung ausreichend hoch sein muss, wenn das Medikament etwas bringen soll. „Wenn Opioide nicht von ausgewiesenen Schmerzexperten verordnet werden, werden sie oft aus Angst vor gefährlichen Nebenwirkungen zu schwach dosiert. Eine geringe Dosierung ist in einem ersten Schritt in Ordnung: So können wir herausfinden, ob der Patient das Medikament verträgt und darauf anspricht. Danach muss jedoch die Dosis in eng aufeinanderfolgenden Untersuchungen hinaufgestuft werden, bis die gewünschte Wirkung erreicht wird“, erklärte Waltraud Stromer (Krankenhaus Horn/NÖ) von der Österreichischen Schmerzgesellschaft.

Eine andere aktuelle Studie (Golcic) verglich die Sicherheit unterschiedlicher Opioidpflaster bei 292 älteren Patientinnen und Patienten, die in einem Hospiz betreut wurden. Eine kurative Behandlung war bei ihnen nicht mehr möglich, ihre prognostizierte Überlebenszeit lag bei weniger als drei Monaten. Bei 75,8 Prozent der Patienten wurden Fentanylpflaster eingesetzt, um die chronischen Schmerzen zu lindern, bei 24,1 Prozent Buprenorphinpflaster. Die Gruppen waren hinsichtlich Alter, Geschlecht und vorhandene Krankheiten vergleichbar. Was das Überleben der Patienten betraf, so zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen, obwohl die eingesetzten Opioide pharmakologisch sehr unterschiedlich sind. Auch ob zusätzlich Co-Analgetika verabreicht wurden, beeinflusste das Ergebnis nicht, egal, ob es andere Opioide oder nichtsteroidale Antirheumatika waren.

Für Palliativpatienten sind Opioide wichtige Medikamente in ihrem letzten Lebensabschnitt. „Buprenorphin beeinträchtigt die kognitive Funktion geringer als andere starke Opioide und hat einen geringeren immunsuppressiven Effekt“, beschrieb Waltraud Stromer Unterschiede zwischen den Substanzen. Es verursache auch weniger Obstipation und könne besser bei Schmerzen im Bauchraum eingesetzt werden. „Leiden die Betroffenen an einer eingeschränkten Nieren- oder Leberfunktion, ist Buprenorphin ebenfalls die bessere Lösung.“ Außerdem werde Buprenorphin eine geringere Toleranzentwicklung als Fentanyl zugeschrieben. Buprenorphin wird in Tablettenform auch in vielen Ländern in der Drogenersatztherapie eingesetzt. Es hat einen geringeren psychisch dämpfenden Effekt als vergleichbare Substanzen.




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