Letztes Update am Di, 12.02.2019 13:52

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bau der Bahntrasse Turin-Lyon hätte mehr Kosten als Vorteile



Rom (APA) - Seit Monaten tobt zwischen den italienischen Koalitionsparteien Lega und Fünf-Sterne-Bewegung ein vehementer Streit über den Bau der Bahn-Hochgeschwindigkeitstrasse zwischen Turin und Lyon. Am Dienstag wurde in Rom eines von Experten verfassten Gutachten veröffentlicht, aus dem hervorgeht, dass die Kosten des Projekts weit höher als dessen wirtschaftlichen Vorteile sind.

Laut dem von unabhängigen Experten verfassten Kosten-Nutzen-Gutachtens, das am Dienstag auf der Webseite des italienischen Verkehrsministeriums veröffentlicht wurde, seien die Kosten des Infrastrukturprojekts für die öffentlichen Kassen weit höher als die Vorteile für die italienische Wirtschaft, berichteten italienische Medien. Im Verhältnis zwischen Kosten der Bahntrasse und deren Nutzen klaffe eine Lücke von sieben Milliarden Euro, hieß es.

Die Kosten-Nutzen-Analyse wurde von der italienischen Regierung an eine Kommission aus sechs Experten in Auftrag gegeben. Sie sei von Rom nach Paris und zur Europäischen Union geschickt worden.

Die populistische Fünf-Sterne-Bewegung will den Bau der Hochgeschwindigkeitsverbindung wie im Wahlkampf versprochen stoppen, ihr Koalitionspartner, die rechte Lega, will ihn dagegen durchsetzen. Teil des Projekts ist ein 58 Kilometer langer Tunnel durch die Alpen. Die Kosten für die Verbindung werden auf 8,6 Mrd. Euro geschätzt. Die Regierung wollte ihren Beschluss bezüglich der Umsetzung des Großprojekts von den Ergebnissen des beauftragten Kosten-Nutzen-Gutachten abhängig machen.

Aus der EU-Kommission verlautete es vergangene Woche, dass Italien zur Rückzahlung der bereits erhaltenen EU-Finanzierungen für das große Infrastrukturprojekt gezwungen werden könnte, sollte es weiterhin zu Verzögerungen bei der Umsetzung des Plans kommen. 813 Mio. Euro habe die EU für die Bahntrasse zur Verfügung gestellt.




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