Letztes Update am Di, 12.02.2019 15:41

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ski-WM: Shiffrin fühlt sich „nicht wie das Gesicht des Skisport“



Aare (APA) - Für Mikaela Shiffrin hat Skifahren eine große Ähnlichkeit mit Tanzen. „Ich bin zwar keine gute Tänzerin. Aber ich liebe Skifahren, weil es mir das Gefühl gibt, als könnte ich eine sein. Es fließt mit dem Berg, es fließt mit der Kurssetzung, es fließt mit dem Gelände“, sagte die US-Skirennläuferin, die bei der WM in Aare drei Goldmedaillen gewinnen könnte.

Auf der einen Seite sei Skifahren ein wirklich kraftvoller, aggressiver Sport, aber es könne auch wirklich wunderschön sein, erklärte die Super-G-Weltmeisterin und blickte zum Ballett. „Etwas das man sieht, wenn man Misty Copeland tanzen und springen sieht. Das ist etwas, das ich im Sport gesehen habe“, sagte Shiffrin am Dienstag in Aare bei einem Termin mit ein paar ausgewählten internationalen Medien.

Die 23-Jährige bezeichnete sich als introvertierte Persönlichkeit, die über den Sport Selbstvertrauen und Ausgeglichenheit bekommen habe. „Dieses Jahr war ein Wendepunkt für mich. Ich habe mich daran gewöhnt, dass die Erwartungen der Leute mit meinen Erfolgen wachsen, auch meine eigenen.“ Sie lasse aber nicht mehr alles in ihren Kopf rein und fühle sich mental daher stärker.

Äußerungen von etwa der zurückgetretenen Lindsey Vonn, Shiffrin hätte in Aare fünf Medaillen gewinnen können, hätte sie nicht auf Start in Abfahrt und Kombination verzichtet, oder dass es ein neues Gesicht des Skisports bräuchte und ihre junge Landsfrau dies sein könnte, würden ihr schmeicheln. „Es ist eine Ehre. Es bedeutet, dass ich etwas richtig gemacht habe in meiner Karriere, aber mehr auch nicht. Ich fühle mich nicht wie das Gesicht des Skisports. In meinen Kopf denke ich darüber nach, was ich zu Mittag essen werde.“

Auf den Weg mitgegeben hatte Vonn den Rennläuferinnen auch, dass diese nie vergessen dürften, den Sport auch abseits der Pisten zu promoten, sie selbst war oft auch auf dem roten Teppich zu finden. „Ich denke, die Show im Sport ist wichtig, der eine kann das mehr als der andere. Ich würde gerne glauben, dass es genug ist, eine freundliche Person und gute Athletin zu sein und Erfolg im Sport zu haben, um ihn zu promoten. Aber das ist es nicht. Es muss etwas Drama geben, etwas Aufregung, einige wirklich große Persönlichkeiten“, sagte Shiffrin.

Vielleicht werde sie da einmal reinwachsen, aber im Moment bemühe sie sich darum, ihren Zeitplan in Balance zu halten und so gut wie möglich Ski zu fahren. „Mein großes Ziel ist es nicht, dramatisch zu sein, ich will am Start bereit sein zu gewinnen. Aber vielleicht werde ich mehr so eine Persönlichkeit, die die Leute sehen wollen. Wer weiß.“

Shiffrin hatte nach Super-G-Gold in Aare ihre Koffer gepackt und war nach Norwegen zum Trainieren gefahren. Rund um Aare sei das nicht so möglich gewesen, weil die Arbeitskraft der Helfer in die Rennpisten verwendet wurde. „Man nimmt, was man kriegt. Aber das war ein bisschen so, als würde man in einen Teich mit Piranhas geworfen werden“, beschrieb die dreifache Slalom-Weltmeisterin.

Nun ist die große Favoritin auf Gold im Riesentorlauf und Slalom also zurück im WM-Ort. „Das fühlt sich jetzt beinahe an wie ein neuer Start in die WM. Ich bin aufgeregt und freue mich auf die nächsten Rennen.“

Hatte sie bei Olympia die „Last der ganzen Welt gespürt“, wie sie unlängst in einem Interview erklärte, so sei dies bei der WM anders. Man könne beides nicht miteinander vergleichbar, sagte Shiffrin am Dienstag. Es gäbe bei Olympia viele Medaillenentscheidungen in vielen Sportarten, und jeder gehe hin und sage, eine Medaille sei das Wichtigste.

„Aber es ist mehr als das und größer als das“, weiß Shiffrin nun, sie hätte eine Weile gebracht, um zu realisieren, dass „Olympia nicht für die Athleten“ ist. Die Zeitpläne würden mit den normalen Zeit-Abläufen der Athleten nicht zusammenpassen, sondern auf TV-Zeiten und Fans abgestimmt sein, was auch wichtig sei.

„Bei Weltmeisterschaften geht es nur um Skifahren. Es wird auch darauf geachtet, dass es ein guter Event für die Athleten wird. Das war bis jetzt bei jeder WM so, wo ich dabei war. Es wird vonseiten des Organisationskomitees immer gefragt, wie fühlst du dich, wie magst du die Bedingungen, wir versuchen das Beste, dass du es genießen kannst.“

Es sei für sie hart gewesen, die so stark verkürzten Abfahrten der Damen und Herren in Aare anzusehen. Man solle keine Orte bei der Vergabe von Weltmeisterschaften ausschließen, aber man müsse darauf achten. Eine als Höhepunkt des Sport anzusehende, so verkürzte Abfahrt sei enttäuschend für alle, aber angesichts der Bedingungen hätten Organisationskomitee und Pistenarbeiter einen spektakulären Job gemacht. Im Super-G sei die Piste hervorragend gewesen. „Du kannst das Wetter nicht kontrollieren“, weiß auch Shiffrin.




Kommentieren