Letztes Update am Mi, 13.02.2019 05:05

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Lkw-Abbiegeassistenten - Mehrere Bundesländer prüfen Nachrüstung



Wien (APA) - Nachdem Wien den Anfang gemacht hat und 500 Lkw mit Abbiegeassistenten ausstatten will, wird eine solche Nachrüstung auch in mehreren Bundesländern geprüft. Noch gibt es derartige Systeme in keinem Bundesland. Klagenfurt will Abbiegeassistenten an neuen Stadt-Laster testen, auch die Stadt Salzburg ist interessiert, ebenso die Linz AG in der oberösterreichischen Landeshauptstadt.

Kein Thema sind Abbiegeassistenten, mit denen die Gefahr eines toten Winkel reduziert werden soll, in Tirol. Auch Niederösterreich wartet ab und möchte zunächst den von Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) für Dienstag einberufenen Sicherheitsgipfel abwarten. In mehreren Bundesländern wird hingegen auf zusätzliche Spiegel und Rückfahrkameras gesetzt, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen.

In der Stadt Salzburg lässt Baustadtrat Lukas Rößlhuber (NEOS) die Nachrüstung der Fahrzeuge seines Ressorts prüfen. 40 bis 50 Fahrzeuge kommen infrage, sagte er zur APA. Über die Kosten einer Umrüstung konnte er noch keine Angaben machen. „Wir stehen erst am Anfang.“ Der Baustadtrat möchte das System rasch umsetzen, denn gerade in der Winterzeit sei es auf den Straßen für die Fußgänger und Radfahrer in der Dunkelheit gefährlich. „Dieses Abbiegeassistenzsystem rettet Leben. Wenn durch das neue System nur ein Unfall verhindert werden kann, zahlt es sich aus“, betonte Rößlhuber.

Ist ein Lkw mit einem Abbiegeassistenten ausgerüstet, wird, sobald der Blinker betätigt wird, eine Kamera aktiviert. Befindet sich etwas in diesem Blickfeld, ertönt ein Signal. Dieses System sei besonders auf Salzburgs schmalen und engen Straßen ein sehr wertvoller Assistent, erklärte Rößlhuber. Auch die Bürgerliste, die Grünen in der Stadt Salzburg, sprachen sich für ein solches System aus. Gemeinderat Bernhard Carl will im nächsten Planungsausschuss den Antrag einbringen, sämtliche Lkw der Stadt mit einem Abbiegeassistenten auszustatten.

Die Linz AG, die in der oberösterreichischen Landeshauptstadt u.a. die Müllabfuhr und den öffentlichen Verkehr betreibt, prüft derzeit den Einsatz von Abbiegeassistenten bei Lkw. Es wurden auch bereits erste Gespräche mit den Fahrzeugherstellern hinsichtlich der technischen Möglichkeiten geführt, teilte das Unternehmen mit. Betroffen wären vor allem die Lastwagen im Bereich der Abfallentsorgung, denn bei den Linienbussen sei die Situation durch den hohen Glasanteil und die niedrigen Sitzhöhen bereits jetzt „sehr gut“. Die neuen - sehr langen - Doppelgelenks-Busse seien zusätzlich mit einer Kamera für den Heckbereich ausgestattet. Zudem werde das Personal regelmäßig in Sachen Verkehrssicherheit und vorausschauendes Fahren geschult.

Der steirische Verkehrslandesrat Anton Lang (SPÖ) erklärte auf APA-Nachfrage, dass für den Straßenerhaltungsdienst eine Prüfung beauftragt wurde, inwieweit Nachrüstungen beim eigenen Fuhrpark möglich sind: „Im Wissen, das jedes Jahr Menschen, vor allem Kinder, bei Abbiegemanövern schwer verletzt oder sogar getötet werden, ist die Nachrüstung von Lkw-Abbiegeassistenten ein Gebot der Stunde.“ Seitens der Holding Graz - zu denen die städtischen Dienstleistungsunternehmen gehören - hieß es, man prüfe die Nachrüstung bei den alten Fahrzeugen. Bei den neu zu beschaffenden Fahrzeugen müsse man sehen, ob die Abbiegeassistenten eingebaut seien.

In Eisenstadt sind die Lkw im Fuhrpark der Stadt alle mit zusätzlichen Spiegeln ausgerüstet bzw. nachgerüstet worden, erläuterte Rathaus-Sprecher Sebastian Handler. Einen Abbiegeassistenten habe keines der Fahrzeuge. Für einen nachträglichen Einbau kämen insgesamt neun Lkw infrage. „Wir werden schauen, ob der Einbau auch bei älteren Modellen technisch möglich ist“, so Handler. Bei Neuanschaffungen solle ein Abbiegeassistent aber auf alle Fälle Teil der Ausstattung sein.

Die Fahrzeuge des Landes Tirol seien mit einem komplexen Spiegel-System ausgestattet, hieß es auf APA-Nachfrage seitens des Landes. Dadurch würden die Fahrer auch schwer einsehbare Bereiche überblicken können. Der tote Winkel könne beispielsweise mithilfe eines stark gewölbten Spiegels bestmöglich eingesehen werden, hieß es. Während mit dieser Ausstattung bereits für ein hohes Maß an Sicherheit gesorgt werde, rüste das Land zusätzlich alle Großfahrzeuge laufend mit Rückfahrkameras aus, um die Sicherheit nochmals zu erhöhen. Die Fahrzeuge des Landes seien im überregionalen Straßennetz unterwegs, damit sei das Risiko beim Abbiegen mit Radfahrern oder Fußgängerin in Berührung zu kommen sehr gering. In der Landeshauptstadt Innsbruck indes werde das Fuhrparkmanagement derzeit neu aufgestellt, teilte die zuständige Stadträtin Uschi Schwarzl (Grüne) auf APA-Anfrage mit. Dabei werde man auch „alles was der Sicherheit dient“ prüfen, fügte sie hinzu.

Das Land Niederösterreich prüft derzeit die Anpassungen für Ausschreibungen für neue Fahrzeuge, hieß es aus dem Büro von Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko (ÖVP). „Wir warten hier auf die Ergebnisse des von Verkehrsminister Hofer angekündigten Gipfels, um ein abgestimmtes Vorgehen zu ermöglichen.“ Auch über eine etwaige Umrüstung des bestehenden Fuhrparks von rund 380 Lkw im Landesdienst werde erst nach dem Sicherheitsgipfel am 19. Februar entschieden, teilte ein Sprecher mit.

Die Installation eines Abbiegeassistenten in Lkw befindet sich bei der Stadt St. Pölten in der Prüfphase. Der Ausgang sei offen, teilte ein Sprecher mit. Vorgenommen werden soll eine „seriöse Beurteilung“. „Die Kosten müssen eruiert werden, wir wollen mit den Fahrzeugherstellern darüber reden, wie teuer das ist.“ Zu klären sei zudem, ob eine Adaptierung wirklich sicherer oder „nur eine Alibiaktion“ ist.

Wien hat zu Wochenbeginn angekündigt, den stadteigenen Fuhrpark mit Abbiegeassistenten ausstatten zu wollen. Konkret sollen etwa 500 Lkw umgerüstet werden - darunter rund 300 Müllautos der MA 48. Derzeit wird das System getestet. Schon in wenigen Tagen soll endgültig Klarheit darüber herrschen, ob es kompatibel ist oder ob nach Adaptierungen nötig sind. Gibt es grünes Licht, wird mit dem Einbau sofort begonnen, versprach die zuständige Stadträtin Ulli Sima (SPÖ). Sie rechnet mit Kosten von circa 3.000 Euro pro Fahrzeug.

Keinen Handlungsbedarf sehen indes die Wiener Linien. Bei den Öffi-Bussen sei der tote Winkel deutlich geringer als bei Lkw. Das liege u.a. am großflächigen Einsatz von Glas in der Fahrerkabine und beim Türbereich sowie an der niedrigeren Sitzposition des Lenkers, wird argumentiert.

Auch Klagenfurt überlegt eine Aufrüstung des städtischen Fuhrparks, der 58 Lkw über 3,5 Tonnen umfasst. An ein paar der neueren Stadt-Laster sollen nun verschiedene Systeme - Spiegel, Kameras etc. - getestet werden. Nach einer Evaluierung und Kostenabschätzung werde über eine Aufrüstung der übrigen Lkw entschieden werden, hieß es.




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