Letztes Update am Mi, 13.02.2019 11:50

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Zahntechnikerin soll gebohrt haben - In Graz vor Gericht



Graz (APA) - Im Grazer Straflandesgericht ist am Mittwoch eine Zahntechnikerin vor einem Schöffensenat gestanden. Ihr wird vorgeworfen, eine große Ordination betrieben und selbst Patienten behandelt zu haben. Mitangeklagt sind drei Zahnärzte, die die Frau belasten. Tatsächlich dürfte es auch um Mietverträge, ein verkauftes Gebäude und vor allem Geld gegangen sein.

Die Beschuldigte gründete ein Unternehmen, in dem alles rund um Zähne angeboten wurde. Der gestylte Betrieb umfasste Labors und Behandlungsräume, in denen mehrere Zahnärzte tätig waren. Die Zahntechnikerin betonte, die Zahnärzte hätten bei ihr nur die Räumlichkeiten gemietet. Sie wird beschuldigt, selbst bei Patienten mit dem Bohrer am Werk gewesen zu sein und auch Füllungen verabreicht zu haben. Das bestreitet die Angeklagte.

An dieser Stelle gingen die Darstellungen auseinander, denn einer der Ärzte will bei der Frau angestellt gewesen sein. „Wenn er angestellt war, warum hat er dann neun Steuerberater und Anwälte gebraucht?“, fragte die Beschuldigte. Sie wirkte äußerst aufgebracht über die Aussagen der Mitangeklagten und hielt immer wieder ihre Unterlagen in die Höhe, um zu beweisen, dass alles ganz anders war. Richterin Elisabeth Juschitz ermahnte sie und fragte: „Was ist denn mit Ihnen los?“ Die Angesprochene verteidigte sich: „Ich will meine Haut retten, ich halte das nicht mehr aus, was hier gelogen wird.“

Schließlich sollte das gesamte Gebäude, in dem die Ordination angesiedelt war, verkauft werden. Angeblich zeigte eine Ärztin, die mit zwei Kollegen dort tätig war. „Das war nie meine Idee“, meinte diese allerdings nun vor Gericht. Auch das wurde von der Hauptangeklagten bestritten. „Da herinnen gibt es so viele Behauptungen, wenn ich über alle nachdenke, würde ich sterben vor lauter Kopfweh“, meinte die Richterin trocken.

Der Prozess wird fortgesetzt. In der nächsten Verhandlung, deren Termin noch nicht feststand, sollen Patienten als Zeugen aussagen.




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