Letztes Update am Mi, 13.02.2019 12:23

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Politische Manipulation“: Berliner Preis empört spanische Regisseure



Berlin/Madrid (APA) - Die spanischen Regisseure Alvaro Longoria und Gerardo Olivares haben beschlossen, einen Filmpreis der Stiftung „Cinema for Peace“ zurückzugeben. Ihre Doku „Dos Catalunas“ (Zwei Katalonien) beleuchtet neutral verschiedene Positionen, die die Katalanen gegenüber dem Unabhängigkeitsprozess in ihrer Region einnehmen. In Berlin wurde der Preis aber von Separatistenführer Carles Puigdemont überreicht.

Die Filmemacher hatten davon nach eigenen Angaben keine Kenntnis. „Hätten wir das vorher gewusst, hätten wir den Preis sofort abgelehnt. Wir wurden vollkommen überrascht und haben nun beschlossen, den Preis zurückzugeben“, erklärt Alvaro Longoria der Zeitung „La Vanguardia“ (Mittwochsausgabe).

Neben der Tatsache, dass mit dem früheren Regierungschef Kataloniens ausgerechnet der Protagonist des katalanischen Unabhängigkeitskonflikts den Preis übergibt, sei es auch die politische Propaganda-Rede Puigdemonts während der Gala am Montagabend gewesen, die sie gestört hat. „Unser Film lebt von der Neutralität. Wir wollten sachlich alle Meinungen aufzeigen. Und nun wurde unser Film als Propaganda-Plattform missbraucht. Nie im Leben habe ich mich so manipuliert gefühlt. Aus professionellen und ethischen Gründen müssen wir auf den Preis verzichten“, so Longoria weiter. Er sei empört über die „politische Manipulation“ seines Films, der für den Streamingdienst Netflix entstanden ist.

Puigdemont verteidigte bei der Filmpreisvergabe das Recht der Katalanen auf Selbstbestimmung und kritisierte die spanische Verfolgerjustiz im Rahmen des am Dienstag in Madrid begonnenen Mammutprozesses gegen zwölf Separatistenführer. Unter den der Rebellion angeklagten Politikern befinden sich zahlreiche seiner ehemaligen Regierungsmitglieder. Puigdemont selber muss sich nicht verantworten, da er nach dem illegalen Unabhängigkeitsreferendum vom 1. Oktober 2017 und der anschließenden Ausrufung der Katalanischen Republik vor der spanischen Justiz ins belgische Exil geflohen ist.

Die in Berlin ansässige Initiative „Cinema For Peace“ veranstaltet die Gala seit 2001 und will damit „engagierte Filmemacher“ würdigen. Die während der Veranstaltung gesammelten Spenden sollen wohltätigen Projekten zugutekommen. Die Gala findet zeitgleich zur Berlinale, aber unabhängig von dem Filmfestival statt.




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