Letztes Update am Mi, 13.02.2019 12:26

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Aktivisten fordern von China Videobeweise für Verbleib von Uiguren



Peking (APA/AFP) - Uiguren in aller Welt fordern in einer globalen Internetkampagne von China Videobeweise für die Unversehrtheit ihrer Angehörigen. Halmurat Harri, ein in Finnland lebender Uigure, startete die Kampagne in sozialen Online-Netzwerken unter dem Schlagwort #MeTooUyghur. Anlass ist ein Video von dem uigurischen Dichter und Musiker Abdurehim Heyit, das China veröffentlicht hatte.

Es sollte Vorwürfe der türkischen Regierung widerlegen, der Künstler sei in chinesischer Haft gestorben. „Die chinesischen Behörden haben ein Video gezeigt als Beweis, dass Herr Heyit am Leben ist“, erklärte Harri. „Jetzt wollen wir wissen, wo Millionen von Uiguren sind.“ Der Nachrichtenagentur AFP sagte der Aktivist, dass auch seine Eltern in chinesischer Haft waren, vergangenes Jahr aber freigelassen worden seien.

Die mehr als zehn Millionen Uiguren sind eine turkstämmige muslimische Minderheit und leben mehrheitlich in der Region Xinjiang im Nordwesten Chinas. Nach wiederholten gewaltsamen Angriffen von Uiguren hat China in den vergangenen Jahren auch mithilfe modernster Technologie die Überwachung der Minderheit massiv ausgeweitet.

Nach UN-Angaben werden in Xinjiang bis zu eine Million Uiguren und andere turkstämmige Muslime willkürlich in Internierungslagern festgehalten und dort politisch und kulturell indoktriniert. Menschenrechtsorganisationen prangerten zuletzt vermehrt die Unterdrückung der Uiguren an.

Die meisten muslimischen Länder hatten sich bisher mit Kritik an China zurückgehalten, ein Sprecher des türkischen Außenministeriums prangerte am Samstag aber eine „systematische Assimilationspolitik“ der chinesischen Behörden mit einer „politischen Gehirnwäsche“ an. Außerdem gab der Sprecher an, der Dichter Heyit sei am Samstag in einem chinesischen Gefängnis gestorben.

Harris Kampagne wurde auf Facebook, Twitter und Instagram hundertfach weitergeleitet und diskutiert. In China werden diese Online-Plattformen allerdings blockiert und in den stark zensierten chinesischen sozialen Netzwerke kam die Kampagne nicht vor. Auch die Regionalregierung von Xinjiang gab auf Anfrage keine Stellungnahme zu der Internetkampagne ab.

Der Uiguren-Experte der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, Patrick Poon, erklärte, die Kampagne sei eine seltene Gelegenheit, die Rechte der Minderheit einzufordern. Sie erhöhe auch den Druck auf die internationale Gemeinschaft, Chinas Umgang mit den Uiguren zu verurteilen. Mit Blick auf die Inhaftierten betonte Poon: „Das sind einfache Leute. Die chinesische Regierung kann einfach nicht behaupten, dass sie alle Extremisten oder Terroristen sind.“




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