Letztes Update am Mi, 13.02.2019 13:26

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Papst stellt Weichen für Seligsprechung von Kardinal Mindszenty



Vatikanstadt (APA) - Das Seligsprechungsverfahren für den ungarischen Kardinal Jozsef Mindszenty (1892-1975) hat eine entscheidende Hürde genommen. Der Heilige Vater erkannte den heroischen Tugendgrad des Kardinals an, teilte der Vatikan in seinem Bulletin am Mittwoch mit.

Das Verfahren für die Seligsprechung war 1993 eröffnet worden. Die „Positio“, ein rund 4.000 Seiten umfassender Akt über das Leben Mindszentys, wurde 2013 an Rom übergeben. Nun müsste für eine Seligsprechung noch ein „Wunder“ - normalerweise eine medizinisch unerklärbare Heilung - anerkannt werden, die der Fürsprache des Kardinals zugeschrieben wird. Die Letztentscheidung zur Seligsprechung liegt beim Papst.

Joszef Mindszenty gehörte zu den wichtigen Bekennergestalten der katholischen Kirche in Mittel- und Osteuropa in kommunistischer Zeit. Er wurde am 29. März 1892 in Csehimindszent unter dem Namen Jozsef Pehm geboren. 1941 legte er unter dem Eindruck des ungarischen Kriegseintritts aufseiten Hitlers seinen deutschen Familiennamen ab und nannte sich nach seinem Geburtsort Mindszenty. Er setzte sich auch öffentlich für die verfolgten Juden in Ungarn ein. 1948 wurde er von den Kommunisten verhaftet, gefoltert und in einem Schauprozess zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Während des ungarischen Volksaufstandes 1956 wurde Mindszenty zunächst befreit und fand dann nach der Niederschlagung der Revolution durch sowjetische Truppen Zuflucht in der US-Gesandtschaft in Budapest. Dort verblieb er 15 Jahre, bis er auf Drängen des Vatikans im Zuge der „vatikanischen Ostpolitik“ Ungarn verließ und nach Rom reiste.

Um die Beziehungen zum kommunistisch regierten Ungarn weiter zu normalisieren, verlangte Papst Paul VI. vom Kardinal, der ab 1971 in Wien lebte, am 1. November 1973 den Rücktritt als Erzbischof von Esztergom. Mindszenty lehnte dies ab. Dennoch wurde der Bischofssitz am 18. Dezember für vakant erklärt. Der abgesetzte Erzbischof bat am 7. Jänner 1974 um Widerruf dieser Entscheidung. Er wurde aber am 5. Februar aus pastoralen Gründen seines Amtes enthoben.

Nach seinem Tod am 6. Mai 1975 wurde er in der Wallfahrtsbasilika von Mariazell beigesetzt. Nach seinem Testament sollten seine sterblichen Überreste erst dann nach Esztergom überführt werden, wenn „der Stern der Moskauer Gottlosigkeit vom Himmel Mariens und des hl. Stephans fällt“. Dies erfolgte nach dem Abzug der sowjetischen Besatzungsmacht am 4. Mai 1991.




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