Letztes Update am Mi, 13.02.2019 13:59

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Aufregung um Tajanis revisionistische Aussagen hält an



Ljubljana/Zagreb/Straßburg (APA) - Die Aufregung um kontroverse Aussagen von EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani bei einer Gedenkfeier für italienische Opfer des Zweiten Weltkrieges hat sich in Slowenien und Kroatien trotzt dessen Entschuldigung nicht gelegt. EVP-Abgeordnete aus beiden Ländern riefen Tajani zu einer eindeutigen Entschuldigung und Widerruf seiner Aussage auf. Slowenische Sozialdemokraten fordern seinen Rücktritt.

Alle zehn EVP-Abgeordnete aus Slowenien und Kroatien, die der gleichen politischen Familie wie Tajani angehören, haben in einer gemeinsamen Erklärung seine Aussagen vom Sonntag bei einer Gedenkfeier im italienisch-slowenischen Grenzgebiet „schärfstens“ verurteilt. Die Aussage, mit der er das „italienische Istrien“ und „italienische Dalmatien“ hochleben ließ, öffnete die „ungeheilte Wunden beider Nationen“, schrieben sie am Dienstagabend.

Seit dem Zweiten Weltkrieg gehörten Istrien und Dalmatien zum früheren Jugoslawien und nun zu dessen Nachfolgestaaten. Tajani hatte bei einer Rede beim Mahnmal in Basovizza bei Triest der italienischen Opfer gedacht, die zwischen 1943 und 1945 von jugoslawischen Partisanen im Karstgebiet getötet worden waren. In der Nähe befindet sich im gleichen Ort ein zweites Denkmal, das an slowenische Opfer des italienischen Faschismus erinnert.

In dem Schreiben der slowenischen und kroatischen EU-Abgeordneten an Tajani heißt es, dass die vom Parlamentspräsidenten gebrauchten Ausdrücke „die Bürger von Slowenien und Kroatien zutiefst beleidigt“ hätten.

„Ihre Aussage enthält Elemente von territorialen Ansprüchen und historischem Revisionismus und lässt leider keinen Raum für andere Interpretationen“, so die EVP-Politiker an Tajani.

Der linke politische Lager fordert unterdessen den Rücktritt des EU-Parlamentspräsidenten. Mit seinen „revisionistischen Aussagen, die den Faschismus rechtfertigen“, habe er die erforderliche Glaubwürdigkeit verloren, hieß es in einer Petition.

Die internationale Petition, die am Dienstag von den mitregierenden slowenischen Sozialdemokraten (SD) ins Leben gerufen wurde, wurde bisher von rund 1.500 Menschen unterzeichnet, darunter von den früheren Staatspräsidenten Sloweniens und Kroatiens, Milan Kucan und Stjepan Mesic, sowie dem derzeitigen slowenischen Parlamentspräsidenten und SD-Chef Dejan Zidan. Die Petition wurde auch von sozialdemokratischen Europaabgeordneten, darunter dem Österreicher Josef Weidenholzer (SPÖ), einigen hochrangigen früheren und derzeitigen Politikern sowie Intellektuellen aus Slowenien, Kroatien und Italien unterzeichnet.

Tajani geriet in heftige Kritik wegen seiner Rede für italienische Opfer, die im und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg von jugoslawischen Partisanen getötet wurden. Mit seinen Aussagen über „tausende unschuldige Opfer, die getötet wurden, weil sie Italiener waren“, erntete er Vorwürfe über Geschichtsrevisionismus. Insbesondere empörte er damit, als er ausgerufen hat: „Es lebe Triest. Es lebe das italienische Istrien, es lebe das italienische Dalmatien und die italienischen Exilierten.“

Der EU-Parlamentspräsident bedauerte am Montag, dass seine Worte missverstanden worden seien. Er habe niemanden verletzen wollen, sondern eine Botschaft des Friedens schicken wollen, schrieb er in einer Mitteilung. Der Bezug auf Istrien und Dalmatien sei in keiner Weise ein Gebietsanspruch gewesen, er habe damit die italienischsprachigen Exilierten gemeint, erklärte er.

Diese Entschuldigung stellte auch den slowenischen Außenminister Miro Cerar nicht zufrieden. In einem Brief rief er am Dienstag Tajani zur „aufrichtigen Entschuldigung“ auf, weil seine Aussage laut Cerar von vielen „als Drohung“ wahrgenommen wurde. „Ihre Aussagen bringen uns in jene Zeiten zurück, als in Europa gefährliche Rhetorik die Feindseligkeit gegenüber anderen Völkern anfeuerte und Spannungen zwischen den Völkern und Ländern auslöste“, schrieb Cerar. Ihren Protest drückten in Briefen auch die Präsidenten Sloweniens und Kroatiens, Borut Pahor und Kolinda Grabar-Kitarovic, aus.

~ WEB http://www.europarl.europa.eu/portal/de ~ APA343 2019-02-13/13:54




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