Letztes Update am Mi, 13.02.2019 14:48

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Verkehrsministerium: Huawei-Ausschluss könnte Innovationen bremsen



Wien/Shenzhen (APA) - Ein Ausschluss des chinesischen Netzwerkausrüsters Huawei vom Ausbau des 5G-Mobilfunknetzes könnte zum Innovationshemmnis werden, warnt das Verkehrsministerium in Wien und vermutet hinter dem von den USA ausgehenden massiven Druck gegen Huawei auch wirtschaftspolitische Interessen, wie aus einer Stellungnahme des Ministeriums gegenüber der APA hervorgeht.

Laut Verkehrsministerium wollen vor allem Deutschland, Großbritannien, Norwegen und Polen eine gemeinsame Position zu Huawei. Es müssen sichergestellt werden, dass in Europa und in Österreich die Wettbewerbsfähigkeit der Märkte nicht eingeschränkt wird. Gleichzeitig müsse durch strenge europaweite Sicherheitsstandards gewährleistet werden, dass der Zugriff auf kritische Infrastrukturen durch ausländische Regierungen ausgeschlossen sei.

Huawei sei bei der Netzwerkausstattung Markt- und Innovationsführer, heißt es aus dem Ministerium. So verwende in Österreich die Deutsche-Telekom-Tochter T-Mobile im Bereich LTE fast zu 100 Prozent Huawei-Produkte. Für 5G sei ebenfalls ausschließlich Huawei als Lieferant vorgesehen. Der Mobilfunker Drei, der zum chinesischen Hutchison-Konzern gehört, habe sein ganzes Netz an den chinesischen Ausrüster ZTE übereignet. Dieses Netz sei daher vollständig im Eigentum eines chinesischen Fonds. „Wie die Verhältnisse dahinter aussehen bzw. das Unternehmen Hutchison als Eigentümer von Drei gegenüber der chinesischen Führung steht, ist unklar“, heißt es in der Stellungnahme. Die teilstaatliche A1 arbeite mit mehreren Technologie-Lieferanten zusammen, wobei Nokia der Hauptlieferant sei.

Spionagevorwürfe gegen Huawei aus NATO-Ländern gibt es bereits seit Jahren, in den letzten Monaten wurde der Druck jedoch massiv erhöht. Anfang Dezember wurde in Kanada auf Betreiben der USA die Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou festgenommen, Festnahmen von Huawei-Managern gab es Anfang Jänner auch in Polen. Mehrere Länder, darunter Australien und Japan, haben Huawei von Aufträgen ausgeschlossen. Konkrete Beweise für die Spionagevorwürfe wurden bisher nicht präsentiert.

Spioniert werden dürfte von allen Seiten - so soll laut Unterlagen des früheren CIA-Mitarbeiters und Whistleblowers Edward Snowden der US-Geheimdienst NSA nicht nur Chinas Staatsführung, sondern auch Huawei ausspioniert haben. Dass die US-Geheimdienste in der Lage sind, Mobilfunk- und Internet-Kommunikation abzuhören und zumindest in der Vergangenheit nicht davor zurückgeschreckt sind, auch befreundete Regierungen auszuspionieren - ein Lauschangriff auf die deutsche Bundeskanzlerin Merkel war im Herbst 2013 aufgeflogen - spielte in der aktuellen Diskussion um Huawei bisher keine Rolle.

~ WEB http://www.huawei.com/ ~ APA382 2019-02-13/14:43




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