Letztes Update am Mi, 13.02.2019 17:00

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gorbatschow prangert Washingtons Ausstieg aus INF-Vertrag an



Washington/Moskau (APA/AFP) - Der letzte sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow hat die USA für ihren Rückzug vom INF-Abrüstungsvertrag scharf kritisiert und dem Land militärische Allmachtsfantasien vorgeworfen.

Washington habe der internationalen Gemeinschaft und dem UN-Sicherheitsrat nicht ausreichend erklärt, warum es aus dem 1987 in seiner Regierungszeit geschlossenen Abkommen ausgetreten sein, argumentierte der Friedensnobelpreisträger in einer am Mittwoch veröffentlichten Kolumne der Zeitung „Wedemosti“. Stattdessen habe die US-Regierung es vorgezogen, Moskau Verstöße gegen den Vertrag vorzuwerfen.

Anfang des Monats waren zunächst die USA und dann auch Russland aus dem INF-Abrüstungsvertrag ausgestiegen. Das Abkommen verbietet landgestützte Raketen und Marschflugkörper mit einer Reichweite zwischen 500 und 5.500 Kilometern, die Atomsprengköpfe tragen können. Die USA und die NATO werfen Russland vor, mit seinem Marschflugkörper 9M729 gegen das Abkommen zu verstoßen. Moskau bestreitet dies.

Gorbatschow, der den Vertrag einst zusammen mit dem damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan unterzeichnet hatte, verwarf auch den Verweis der USA auf die Aufrüstung in Ländern wie China oder Indien. Dies sei als Begründung für ein Verlassen des Abkommens „nicht überzeugend“, sagte der 87-Jährige und verwies darauf, dass Russland und die USA nach wie vor 90 Prozent aller Atomwaffen kontrollierten.

Hinter der Entscheidung von US-Präsident Donald Trump stecke etwas anderes, zeigte Gorbatschow sich überzeugt. Es sei „der Wunsch er USA, sich von jeglichen Einschränkungen im Rüstungsbereich zu befreien, die absolute militärische Übermacht zu erlangen“.

Der letzte Staatschef der Sowjetunion räumte ein, dass sich seit Unterzeichnung des Vertrages viel geändert habe. Die Veränderungen „erfordern aber nicht die Abkehr von Verträgen, welche die Grundlage für die globale Sicherheit nach dem Ende des Kalten Krieges geschaffen haben, sondern eine weitergehende Entwicklung hin zum endgültigen Ziel - das Ende der Aufrüstung“, forderte Gorbatschow.




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