Letztes Update am Mi, 13.02.2019 21:30

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Europas Zukunft entscheidet sich laut Bassam Tibi bis 2050



~ --------------------------------------------------------------------- KORREKTUR-HINWEIS In APA375 vom 13.02.2019 muss es im letzen Satz des ersten Absatzes richtig heißen: „erklärte der Damaszener bei einer Veranstaltung des Österreichischer Integrationsfonds (ÖIF).“ --------------------------------------------------------------------- ~ Wien (APA) - In den nächsten 30 Jahren wird sich die Zukunft Europas entscheiden. Als Ursache für gravierende soziokulturelle Änderungen im Abendland nannte der Islamwissenschaftler Bassam Tibi bei einem Gespräch mit der Journalistin Gudula Walterskirchen die „muslimische Völkerwanderung“. Viele der Zuwanderer würden zwar den Westen bewundern, lehnten aber alles Westliche ab, erklärte der Damaszener bei einer Veranstaltung des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF).

Für den syrischstämmigen deutschen Politologen, der an zahlreichen Eliteunis der USA tätig war, gibt es nicht „den“ Islam. Der knapp 75-Jährige unterscheidet hier klar zwischen dem Islam als Schrift und dem Islam als Realität, dem „Volks-Islam“. Zudem gäbe es die Trennung in Sunna und Schia und des weiteren zahlreiche Rechtsschulen. Der Islam in Indonesien sei etwas völlig anderes wie der im Senegal, so der ehemalige Göttinger Politikwissenschaftsprofessor. Das Problem sei, dass 80 bis 90 Prozent der Muslime Analphabeten seien, die Schrift gar nicht kennen und daher einer tradierten Glaubenslehre folgen würden. Im Koran stehe nichts von einem Kopftuch, das Wort dafür gäbe es im Arabischen gar nicht, so der Religionsgelehrte.

Daher plädiert Tibi für einen verpflichtenden Islamunterricht, und zwar für Politiker und Kirchenvertreter. So würde etwa Politikern von islamischen Verbänden erklärt, dass die Scharia Bestandteil der Religionsausübung sei und daher unter die Religionsfreiheit falle. Zum einen widersprechen die Regeln der Scharia laut Tibi klar den Grundprinzipien des liberalen Rechtsstaats, zum anderen kommt das Wort im Koran nur einmal vor und bedeutet nicht Recht, sondern Moral. Das zu wissen sei eben Aufgabe der Politik. Denn eine der größten Errungenschaften Europas sei es, dass das Recht vom Parlament, der Legislative, gemacht werde, und nicht direkt von Gott komme, sagte er.

Anders als im laizistischen Frankreich, wo der Staat entscheidet, mit welchen Glaubensvertretern er spricht, ist dies Tibis Angaben zufolge in Deutschland und zum Teil Österreich genau umgekehrt. Hier entscheiden die Glaubensgemeinschaften und diese verfolgen laut dem Islamologen eine antiintegrative Agenda. Im Gegensatz zu Berlin befinde sich die heimische Regierung hier aber auf einem guten Weg. Konkret nannte Tibi das Islamgesetz und die Ausweisung von problematischen Imamen. Von den bis zu 40 Betroffenen verließ laut Medienberichten allerdings bisher nur einer das Land, auch die sieben beanstandeten Moscheen sind mittlerweile wieder geöffnet.

Das Problem Europas bei der Integration von Muslimen sei es, die richtige Mischung aus Sensibilität und Selbstbewusstsein zu finden. Einerseits dürfe die Offenheit nicht aufgegeben werden, andererseits müssten aber auch klare Grenzen bei Normverstößen gezogen werden. Zudem müssten die Werte der Aufklärung klar verteidigt werden und Muslime beginnen, sich als Individuen, als Citoyen, und nicht als Kollektiv zu sehen, so der Experte. Zudem kritisierte er die Haltung mancher Muslime, sich ständig als unterdrückte Opfer zu sehen, sei es doch in islamischen Gesellschaften normal, dass Minderheiten unterdrückt werden. Weiters betonte der Deutsche, dass Religion in einem säkularen Staat Privatsache sei und nicht in die Öffentlichkeit getragen werden solle.

Tibi forderte auch die klare Trennung zwischen unberechtigten Ressentiments gegen Muslime und dem Islamophobie- und Rassismus-Vorwurf. Die beiden letztgenannten Punkte dienten lediglich dazu, berechtigte Religionskritik zu stigmatisieren. Vor allem die Deutschen würden Probleme oftmals nicht ansprechen, weil sie Angst hätten, in die rechte Ecke gestellt zu werden. Das sei aber ein Fehler, weil dadurch genau das Gegenteil passiere, und Entwicklungen von ebendiesen instrumentalisiert werden könnten.




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