Letztes Update am Do, 14.02.2019 06:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Neues Album: Drew Sarich will „Lösungen vorschlagen und ab ins Licht“



Wien (APA) - Musical-Star Drew Sarich veröffentlichte im Jänner sein drittes Album mit dem Endwerk Orchester. „Ich hatte das Sensible satt“, so der gebürtige US-Amerikaner, der sich in „Hunting for Heaven“ neu erfindet und derzeit in der Volksoper im Bernstein-Musical „Wonderful Town“ zu sehen ist. Mit der APA sprach er über seine neu entdeckte Liebe zur Popmusik und darüber, was Beyonce damit zu tun hat.

APA: Sie haben bereits in New York, London und Deutschland gespielt, das Wiener Publikum kennt Sie in Rollen wie Graf Von Krolock in „Tanz der Vampire“ und Jesus in „Jesus Christ Superstar“. Zudem sind Sie auch Musiker. Wie schaffen Sie diesen Spagat?

Drew Sarich: Ich wurde quasi grenzenlos erzogen. Meine Eltern haben mir alles gezeigt, was Musik, Kunst und Theater angeht. Egal ob Shakespeare, Sondheim, David Bowie oder die Beach Boys - alles wurde akzeptiert und zelebriert. Als ich in Boston studiert habe, musste ich einen Kurs über Ästhetik zur Frage „Was ist Kunst?“ besuchen. Das war so eine unglaublich hochnäsige Frage, aber dadurch lernten wir, dass es wichtiger ist, ein Künstler zu sein und seine Hände überall zu haben, als bequem in einer Ecke zu sitzen. Mir wird ziemlich schnell fad und ich will meine Geschichten erzählen. Ich habe natürlich meine Familie und das ist auch eine Zeitinvestition. Trotzdem kommt die Musik immer wieder durch, und ich finde ein paar Stunden am Tag, wo ich alleine mit der Gitarre sein und experimentieren kann.

APA: Ihre Musik und Liedtexte schreiben Sie selbst. Sehen Sie das Geschichtenerzählen als Verbindungspunkt zwischen Ihrer Darsteller-Tätigkeit und der Arbeit als Musiker?

Drew Sarich: Auf jeden Fall. Ich war bereits als Kind vom Storytelling fasziniert. In der Schule gab es professionelle Storytellers, die zu uns gekommen sind und uns Geschichten erzählt haben. Dass eine Gruppe von Menschen still sitzt und einer Geschichte zuhört, ist eigentlich ein Wunder. Das ist auch das, was ich am Theater liebe.

APA: In Ihrem ersten Album „Silent Symphony“ haben Sie sich bewusst von einer neuen Seite gezeigt. Wie wichtig ist es Ihnen, sich in Ihrer Musik neu zu erfinden?

Drew Sarich: Wahnsinnig wichtig. Zu der Zeit, als ich „Silent Symphony“ geschrieben habe, kannte man mich als Musical-Rocker-Guy und als Drew, der schreit. Ich komme rein, spring über die Bühne und schreie ganz laut. Das wurde irgendwann zu einer Masche. Ich wollte es in „Silent Symphony“ also einmal mit Flüstern versuchen. Dann kam „Let Him Go“ und ich hatte das Sensible satt. Ich wollte eine staubtrockene Geschichte über Egoismus und Realitätsflucht erzählen. Bald erkannte ich jedoch wieder eine Masche. Das Introvertierte, etwas Dunklere und Düstere wurde erneut zum Trick. Ich musste mich selbst wachrütteln und habe mit „Hunting for Heaven“ meine Liebe zu Pop- und Soulmusik wiedergefunden.

APA: Welche Geschichte erzählen Sie nun damit?

Drew Sarich: Die beste Platte, die ich in den letzten fünf Jahren gekauft habe, war Beyonces „Lemonade“. Ich war fassungslos, was man heutzutage mit Popmusik machen kann, nämlich eine ganz persönliche Geschichte erzählen. Das Album war kreativ, fokussiert und vor allem fühlte ich mich danach gut. Also entschied ich: Ich will mit „Hunting for Heaven“, dass es irgendjemandem für eine Stunde besser geht. Die Zuhörer sollen Kraft und Positivität tanken. Dieser kleine Blick nach dem Licht ist wichtig. Ich erinnere mich an die Zeiten, als ich in jungen Jahren in Clubs gegangen bin, um Bands zu sehen. Du gehst mit einer Schwere rein und kommst klitschnass, halb taub und glücklich raus.

APA: Wie persönlich lassen Sie Ihre Songs sein?

Drew Sarich: Es gibt immer wieder eine Grenze. Man hat die Wahl, wirklich alles zu zeigen und völlig transparent zu sein, und riskiert damit, andere Menschen zu verletzen. Ich bin der Meinung, dass es nicht nur um mich gehen soll. Ich musste mir immer wieder sagen: Die Idee ist nicht, Drews Probleme zu präsentieren, sondern eine Verbindung zum Zuhörer zu bauen. Ich bin selbst Musikfan, und vor zwei Jahren haben sich einer meiner Idole, Chris Cornell von „Soundgarden“, und der „Linkin Park“-Sänger Chester Bennington das Leben genommen. Man hat das auch sehen können, weil sie so transparent in ihren Liedern waren. Es ging nur um Schmerz, was auch schön sein kann und wir sicherlich alle brauchen. Ich bin aber der Meinung, an dieser Stelle auch zu reflektieren - als erster Schritt in Richtung Heilung. Der nächste Schritt ist dann: Lösungen vorschlagen und ab ins Licht. Das war die Idee hinter „Hunting for Heaven“. Ich will, dass es euch für die Stunde, in der ihr es hört, gut geht. In dieser Stunde kann euch nichts Schlimmes passieren.

APA: Im Podcast der „Vereinigten Bühnen Wien“ haben Sie gemeint: „Wenn ich nicht Musical-Darsteller geworden wäre, wäre ich Rockstar.“ Gibt es auf Ihrer „Bucket list“ einen weiteren Karriere-Meilenstein, denn Sie in Zukunft noch erreichen möchten?

Drew Sarich: Ich würde liebend gerne irgendwann eine Vernissage machen. Ich male seit Jahren. Das ist wie bei meiner Theaterarbeit oder Musik. Es folgt nur eine kleine Umstellung im Medium bzw. in den Mitteln. Das Konzept bleibt ähnlich: Finde eine Idee bzw. Aussage, nur bleib diesmal still und schau, was du mit den Bildern transportieren kannst. Ich arbeite seit Jahren auch selbst an Theaterstücken und, dass ich irgendwann ein Musical schreibe, ist eigentlich ziemlich logisch. Es gibt ein englisches Sprichwort, das lautet „Put up or shut up“ (Mach es oder halt den Mund). Bei meinem Theatervorhaben bin ich knapp davor, es zu machen - einfach nur, um zu sehen, ob ich es schaffe. Oder ob ich lieber mal die Klappe gehalten hätte.

(Das Gespräch führte Lisa Omelko/APA)

(S E R V I C E - www.release.at/aktuelle-cds/drew-sarich-hunting-for-heaven/)




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