Letztes Update am Do, 14.02.2019 10:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wiener Festwochen 2019 starten mit Theatermarathon in Donaustadt 1



Wien (APA) - „Die Wiener Festwochen sind ein Ort für multidisziplinäres künstlerisches Schaffen: visionär und gleichzeitig mit Geschichte vertraut, international und in der Stadt Wien verankert.“ Dieses Motto stellt Christophe Slagmuylder, der aus Belgien stammende neue Intendant, seinem ersten Festival voran. Das heute vorgestellte Programm startet mit einem fünfeinhalbstündigen Theatermarathon in Donaustadt.

Slagmuylder, der im Vorjahr kurzfristig auf den überraschend zurückgetretenen Leiter Tomas Zierhofer-Kin gefolgt war, sieht das Festival durchaus in einem politischen Kontext. „Bei den Wiener Festwochen kann man Visionen erleben, die Offenheit und Neugierde auf das scheinbar Fremde und Unbekannte fördern. Das Festival versucht ein Gegenmittel für jede Form von Selbstüberhebung zu sein, für jeglichen Reflex von Konservatismus, für die Tendenz, das zu schützen, wovon wir Angst haben, es zu verlieren“, schreibt der langjährige Leiter des Brüsseler Festivals Kunstenfestivaldesarts, der in Wien einen Vertrag bis 2024 hat, im Programmbuch. „Um der Kurzsichtigkeit entgegenzuwirken, behaupten die Festwochen, dass es sich lohnt, die Fenster zu öffnen, die Welt zu sehen.“

Die Festival-Eröffnung am 10. Mai findet zwar wie immer am Wiener Rathausplatz statt, doch am Eröffnungswochenende soll in Wien-Donaustadt als Bezirk mit dem höchsten Bevölkerungswachstum, niedrigem Durchschnittsalter und geringer kultureller Infrastruktur „erkundet werden, welche Bedeutung einem Stadtfestival zukommen kann“. Kernstück ist die fünfeinhalbstündige Aufführung von „Diamante“ des Argentiniers Mariano Pensotti, einer im August 2018 auf der Ruhrtriennale uraufgeführten Arbeit über Bau und Niedergang einer paradiesischen Musterstadt, in der Eissporthalle Erste Bank Arena. Dazu kommt eine Reihe von künstlerischen Projekten auch im öffentlichen Raum, die nach dem ersten Wochenende teilweise in andere Stadtteile weiterziehen. Auch die „Festwochen Bar“ wandert danach weiter und macht als Ort der Begegnung bis zum Festival-Ende am 16. Juni noch im Volkstheater und in den Gösserhallen Station.

Im Festwochen-Programm 2019 finden sich Arbeiten u.a. von Performance-Künstlerin Angelica Liddell („The Scarlet Letter“), Krystian Lupa (der Pole zeigt einen über fünfstündigen „Proces“ nach Kafka) und Milo Rau („Orest in Mossul“). Romeo Castellucci zeigt seine neue Produktion „La vita nuova“ sowie seine Arbeit „Le Metope del Partenone“, bei der plötzliche Schicksalsfälle zu Skulpturen im Raum werden. Ersan Mondtag bringt in Koproduktion mit dem Berliner Gorki-Theater Sibylle Bergs „Hass-Triptychon“ zur Uraufführung. Der Schwede Markus Öhrn untersucht in „3 Episodes of Life“ Missbrauchsfälle im beruflichen Umfeld und zeigt zudem seine Installation „Bergman in Uganda“.

Gleich nach der Premiere in Paris kommt „Mary Said What She Said“, eine neue Zusammenarbeit von Regisseur Robert Wilson, Schauspielerin Isabelle Huppert und Autor Darryl Pinckney nach Wien. Der thailändische Filmemacher Apichatpong Weerasethakul zeigt im Theater an der Wien mit „Fever Room“ sein erstes Projekt für einen Bühnenraum.

(S E R V I C E - Wiener Festwochen von 10. Mai bis 16. Juni, www.festwochen.at)




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