Letztes Update am Do, 14.02.2019 10:48

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Öcalan-Festnahme vor 20 Jahren: Das Ende einer langen Jagd



Ankara (APA/AFP) - Vor 20 Jahren fasste der türkische Geheimdienst den PKK-Chef Abdullah Öcalan bei einem dramatischen Einsatz in der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Vorausgegangen war eine monatelange Odyssee des kurdischen Rebellenführers, die ihn von Syrien durch mehrere Staaten bis nach Kenia führte. Trotz heftiger Proteste seiner Anhänger wurde er nach seiner Festnahme in die Türkei gebracht, wo er seitdem eine lebenslange Haftstrafe auf der Gefängnisinsel Imrali verbüßt.

EXIL IN SYRIEN

Zwei Jahre nach der Gründung der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) flieht Öcalan 1980 aus der Türkei. Im Jahr 1984 entscheidet er, den bewaffneten Kampf für die Unabhängigkeit der Kurden-Gebiete in der Türkei aufzunehmen.

Die folgenden Jahre verbringt er mit Duldung des syrischen Machthabers Hafez al-Assad vor allem in der syrischen Hauptstadt Damaskus oder im von Syrien kontrollierten Bekaa-Tal im Libanon, wo die PKK ihr Hauptquartier einrichtet.

Angesichts von Drohungen der Türkei, militärisch gegen PKK-Lager in Syrien vorzugehen, weist Damaskus im Oktober 1998 Öcalan aus. Im Adana-Abkommen sagt die syrische Regierung zu, Öcalan und andere PKK-Mitglieder nicht länger zu dulden.

FESTNAHME IN NAIROBI

Nach einem Aufenthalt in Moskau sucht der PKK-Chef Zuflucht in Italien. Da Rom seine Auslieferung an die Türkei ablehnt, kommt es zu einer diplomatischen Krise. Mitte Jänner 1999 verlässt er Italien und bittet vergeblich mehrere europäische Staaten um Asyl.

Verfolgt von türkischen Agenten sucht Öcalan Zuflucht in Athen, von wo aus er vom griechischen Geheimdienst in Griechenlands Botschaft in Nairobi gebracht wird. In Athen führt die Aktion zu einer Regierungskrise und zur Entlassung mehrerer Minister.

Nach zwölf Tagen in der Botschaft in Nairobi versucht Öcalan am 15. Februar 1999, zum Flughafen zu kommen - offenbar, um das Land zu verlassen. Auf dem Weg dorthin wird er aber von türkischen Agenten gestellt und in einem Flugzeug in die Türkei gebracht.

„Wir haben gesagt, dass wir ihn kriegen, wo immer er in der Welt sein mag“, sagt der damalige türkische Ministerpräsident Bülent Ecevit, während das Fernsehen Öcalan gefesselt und mit verbundenen Augen zeigt. „Wir haben dieses Versprechen erfüllt.“

PROTESTE IN EUROPA

Die PKK macht Griechenland und Kenia mitverantwortlich für die „Entführung“ ihres Chefs und beschuldigt auch die USA und Israel, in die Aktion verwickelt zu sein. Washington begrüßt die Festnahme, bestreitet aber ebenso wie Israel jede Beteiligung.

In mehreren Städten Europas stürmen kurdische Aktivisten Botschaften und Konsulate Griechenlands. In Berlin dringen PKK-Anhänger zudem in das israelische Konsulat ein, woraufhin israelische Sicherheitskräfte vier Kurden erschießen.

INHAFTIERUNG AUF IMRALI

In der Türkei wird Öcalan auf die Gefängnisinsel Imrali im Marmara-Meer gebracht, wo er fortan der einzige Häftling ist. Bei seinem ersten Prozesstag am 31. Mai 1999 ruft Öcalan die PKK zur Niederlegung ihrer Waffen auf.

Am 29. Juni wird Öcalan wegen Hochverrats und des Versuchs zur Spaltung der Türkei zum Tode verurteilt. In vielen Städten Europas gibt es Proteste, und mehrere EU-Staaten rufen Ankara zur Milde auf. 2002 wird das Urteil in lebenslange Haft umgewandelt. Von der Gefängnisinsel Imrali aus ist sein Einfluss auf die PKK aber ungebrochen.




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