Letztes Update am Do, 14.02.2019 12:13

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Drogen um 3,8 Millionen 2 - Alles begann im „Cannabis-Weinkeller“



Eisenstadt (APA) - Die Ermittlungen, die letztlich zur Zerschlagung des Drogennetzwerkes führten, haben in einem Weinkeller in Weiden am See (Bezirk Neusiedl am, See) begonnen. Dort wurden hochwertige Cannabisblüten gezüchtet. Daraufhin wurde mit der Einvernahme mehrerer Dealer im Raum Burgenland, Wien und Niederösterreich begonnen, berichtete Burgenlands Landespolizeidirektor Martin Huber.

„Unsere Kriminalbeamten haben sich dann von den Dealern hinaufgearbeitet bis zu den Haupttätern nach Tschechien und nach Deutschland“, sagte Huber. Von den 53 Festgenommenen im Alter von 19 bis 54 Jahre sind 49 Männer und vier Frauen. Die Bande war international aufgestellt: Ihr gehörten 40 Österreicher, vier Polen, drei Tschechen, zwei Bosnier sowie zwei Russen, ein Rumäne und ein Staatenloser an.

Jüngster Festgenommener war ein 19-Jähriger, der zusammen mit anderen Tätern Drogenlieferungen aus Tschechien und Deutschland koordinierte, erläuterte Chefinspektor Paul Schlaffer. Zur Führungsgruppe der Bande gehörte „eine Handvoll Personen“, der Rest setzte sich aus Schmugglern, Bunkerhaltern und anderen Mittätern zusammen.

Der Schmuggel über die Grenze erfolgte mit Mietautos, aber auch mit der Bahn wurden Drogen von Nürnberg über Passau ins Bundesgebiet gebracht. Auch aus Polen wurden Suchtmittel via Bahn über Tschechien nach Österreich geschmuggelt. „Weiters konnten einige Bestellungen über das Darknet festgestellt werden“, schilderte Schlaffer.

Ein Teil der Cannabisblüten wurde in Indooranlagen im Burgenland und in Wien gezüchtet. Einen anderen Teil schmuggelte eine bosnisch-tschechische Tätergruppe mit Pkw und Mietautos über die Grenzübergänge Retz, Kleinhaugsdorf und Reintal nach Österreich. Dealer verkauften dann die Drogen in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland weiter.

Die Bandenmitglieder telefonierten wenig und wenn, dann über Wertkartenhandys sowie überwiegend über Internetplattformen. Zu einem großen Teil wurde bei persönliche Treffen kommuniziert. 41 der Festgenommenen wurden in Gefängnisse in Österreich und Tschechien gebracht. „Ein polnischer Mittäter befindet sich zur Zeit noch auf der Flucht, wird aber mit europäischem Haftbefehl gesucht“, zog der Chefinspektor Bilanz.

Bei den Hausdurchsuchungen stellten Fahnder fast 64 Kilogramm Cannabisblüten, sechs Kilo Amphetamin sowie 1.300 Stück Ecstasy, 620 Stück LSD-Trips, 165 Cannabispflanzen und 26 Gramm Kokain sicher. Auch einige verbotene Waffen wie Schlagringe und Stahlruten wurden gefunden. Zwei Pkw wurden den Tätern ebenfalls abgenommen.

Schlaffer hob die Zusammenarbeit auf nationaler und internationaler Ebene in dem Fall hervor. Beamte des Bundeskriminalamts, der Landesverkehrsabteilung, der Direktionen für die Spezialeinheiten - Cobra, Wega und Observation - sowie Beamte der Diensthundestationen im Burgenland und von AGM-Dienststellen in Österreich trugen ebenso zum Gelingen der Amtshandlung bei wie deutsche und tschechische Ermittlungsbehörden.

Der Generalsekretär im Innenministerium, Peter Goldgruber, gratulierte Huber und den Kriminalisten zum „großartigen Erfolg, den sie erreicht haben“. Die Bekämpfung der Drogenkriminalität und des Missbrauchs von Drogen sei einer der Schwerpunkte, die man sich für heuer gesetzt habe. Es sei wichtig, den Nachschub an Drogen zu bekämpfen, um möglichst wenig auf den Markt kommen zu lassen.




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