Letztes Update am Do, 14.02.2019 12:19

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


GLOBAL 2000: „Inbetriebnahme von AKW Mochovce verhindern“



Bratislava/Wien (APA) - Die Umweltschützer von GLOBAL 2000 warnen weiter vor „gravierendsten Sicherheitsmängeln“ beim Atomkraftwerk Mochovce in der Slowakei und appellieren an die Bundesregierung die Inbetriebnahme zu verhindern. „Wir müssen gemeinsam alles unternehmen, um die Inbetriebnahme des Risiko-Reaktors vor unserer Haustüre zu stoppen“, so auch die Wiener Umweltstadträtin Ulli Sima (SPÖ) in einer Aussendung am Donnerstag.

Mochovce liegt rund 130 km entfernt von der österreichischen Grenze. Ein Lokalaugenschein bei der slowakischen Atomaufsicht habe die Sicherheitsbedenken nicht ausgeräumt, so die Umweltschutz-Organisation am Donnerstag. „Im Juni 2019 will Slovenské Elektrárne erstmals Brennelemente in den dritten Reaktor laden, Anfang Juli soll der slowakische Uralt-Reaktor nach 34 Jahren Bauzeit in Betrieb gehen. Gravierendste Sicherheitsmängel sind immer noch nicht repariert, eine versprochene grenzüberschreitende Prüfung ist nie passiert“, hieß es in der Aussendung. Die Betreiberfirma habe auf Nachfrage ein Gespräch verweigert. „Die verantwortliche Atomaufsicht schaltet auf stur, der AKW-Betreiber verweigerte das Gespräch und ließ private Securities aufrücken, um uns zu vertreiben“, so GLOBAL 2000-Atomsprecher Reinhard Uhrig nach einem Besuch der Baustelle.

„Kanzler (Sebastian, Anm.) Kurz ist jetzt gefordert, wie im Regierungsprogramm angekündigt ‚mit allen Mitteln‘ die Inbetriebnahme zu verhindern“, heißt es weiter. „Wir rufen mit einer Petition Kanzler Kurz auf, die Nachrüstung des Reaktors auf Stand der Technik (Generation III+) sowie die Reparatur der Baumängel zu verlangen“, so Uhrig.

Auch Sima fordert Bundeskanzler Kurz auf, „umgehend“ seinen slowakischen Amtskollegen aufzufordern, zu verhindern, „den völlig veralteten Reaktor 3 in Mochovce offensichtlich noch im heurigen Juli in Betrieb zu nehmen“. „Die Sowjet-Technologie ist völlig veraltet, seit 34 Jahren wird am Reaktor herumgebastelt. Ich konnte mich 2009 bei einem erschreckenden Betriebsbesuch in Mochovce vom dramatischen Zustand der Bauteile überzeugen, sie vergammeln dort seit Jahrzehnten“, so Sima. Dass der Betreiber Slovenské Elektrárne nun schon im Juni erstmals Brennelemente in Reaktor 3 am Standort Mochovce laden will, sei „mehr als alarmierend“.

Sima will eine breite Allianz schmieden, um die Inbetriebnahme des AKWs noch zu verhindern. Mit dem von ihr gegründeten Anti-Atom-Netzwerk „Cities for a Nuclear Free Europe“ (CNFE), dem mittlerweile 30 europäische Städte angehörten, will sie u.a. die EU-Kommission aufrufen, die Inbetriebnahme im Mitgliedstaat zu verhindern. Sie fordert eine internationale Expertenkommission, die Zugang zum AKW und volle Akteneinsicht erhält und den tatsächlichen Zustand des AKWs analysiert. „Wien unterstützt zudem die von GLOBAL 2000 gestartete Anti-Mochovce-Petition an Bundeskanzler Kurz“, hieß es in der Aussendung.

(Internet: https://www.global2000.at/stopp-mochovce)




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