Letztes Update am Do, 14.02.2019 12:46

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mars und Venus als Diplomatenpaar: Leopold Kiesling im Belvedere



Wien (APA) - Mit Leopold Kieslings Skulpturengruppe „Mars und Venus mit Amor“ ist im Oberen Belvedere ab morgen, Freitag, bis zum 12. Mai nicht nur ein Stück Kunst-, sondern auch ein Stück europäischer Polit-Geschichte „im Blick“. Die Reihe widmet sich diesmal einem Werk, das sinnbildlich für die Vermählung von Napoleon Bonaparte mit der österreichischen Kaisertochter Marie-Louise stand.

„Im Blick“ würdigt jeweils ein Werk aus dem hauseigenen Bestand, das auch mit dem Haus selbst in wichtiger Beziehung steht und rahmt es mit wissenschaftlicher Aufarbeitung. Diesmal hat man dabei einen didaktischen und einen Erlebnisraum eingerichtet, in dem Besucher eingeladen sind, „das Werk zu umwandern“, so Kuratorin Sabine Grabner am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. In dem vollständig schwarz ausgeschlagenen Raum ist die weißschimmernde Skulptur zentral aufgestellt, intensiv beleuchtet und kann von allen Seiten studiert werden. Einen Raum davor kann man ihre Geschichte nachlesen und anhand von Skizzen, Porträts und historischen Darstellungen ihre Verflechtung mit der politischen Lage Europas bestaunen. Denn „Mars und Venus mit Amor“ war antik verklärte Zeitgenossenschaft pur.

Die Analogie war nicht schwer herzustellen - erhoffte sich doch Kaiser Franz II. von der Eheschließung seiner Tochter Marie-Louise mit dem ebenso verhassten wie gefürchteten französischen Herrscher Napoleon eine Befriedung Mitteleuropas. Gleichsam als Liebesgöttin sollte sie den Kriegswütigen besänftigen. Die lebensgroße Skulpturengruppe in feinstem Carrara-Marmor, die der damals bedeutendste österreichische Bildhauer Leopold Kiesling von seiner Wirkstätte Rom Richtung Wien sandte, kam da gerade recht. Im Juni 1810 traf sie in Wien ein, im März hatte die Hochzeit in der Augustinerkirche stattgefunden - allerdings als Stellvertreterzeremonie, bei der Erzherzog Karl, kurz zuvor noch Napoleons Erzfeind auf dem Schlachtfeld, anstelle Napoleons mit Marie-Louise, seiner Nichte, die Ringe tauschte.

Seine politische Instrumentalisierung verschaffte dem ebenso lyrischen wie opulenten Werk auch noch danach einen wichtigen Platz: Während des Wiener Kongresses war es - prominent positioniert im „Rondell“ des Belvedere - ein für die Diplomaten möglichst sichtbarer Hinweis auf die Rolle Österreichs als heiratspolitischer Friedensbringer in Europa.

(S E R V I C E - „Im Blick: Leopold Kiesling. Der Mythos von Mars und Venus mit Amor.“ Oberes Belvedere, 15. Februar bis 12. Mai. www.belvedere.at)

(B I L D A V I S O – Pressebilder zur Ausstellung stehen unter www.belvedere.at/presse zum Download bereit.)




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