Letztes Update am Di, 05.03.2019 09:54

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesellschaftsexperiment in oststeirischer Ex-Kaserne vor Fixierung



Graz/Fehring (APA) - Wo sich einst Grundwehrdiener auf Kommando in den Gatsch werfen mussten, leben seit zwei Jahren rund 70 Menschen in einer Art kleindörflichen Struktur im oststeirischen Fehring. Der Verein „Cambium - in Gemeinschaft leben“ wurde vor vier Jahren gegründet, um eine neuartige Form des Zusammenlebens mit Interessierten auszuprobieren und zu entwickeln. Nun stehen sie vor dem Kauf der früheren Kaserne.

Im Rahmen des am Sonntag beendeten 15. Elevate Festivals präsentierte sich die Gemeinschaft in Form eines eineinhalbstündigen Workshops und eines Infostandes im Grazer Forum Stadtpark. Dort wurden ansatzweise soziologische Grundideen und andere wichtige Grundlagen des Gemeinschaftsexperiments vorgestellt.

Bei dem interaktiv gestalteten Workshop konnten Interessierte in die „Cambium“-Welt hineinschnuppern - und sich dabei ein wohltuend frei gestaltetes und informatives Bild von dem Zusammenwohnprojekt machen. Derzeit gebe es einen Aufnahmestopp, erklärte einer der Workshop-Leiter, Gerhard Üblinger. Die bis dato adaptierte Wohnfläche in der ehemaligen Kaserne sei mit den aktuellen Bewohnern - rund 50 Erwachsene und 25 Kinder - voll ausgelastet. In der Vollausbaustufe ist eine Gemeinschaft zwischen 100 und 130 Menschen im Visier. Man forsche noch hinsichtlich der am besten funktionierenden Gemeinschaftsgröße.

Neugier sei überhaupt eine Grundhaltung, die in der Entwicklung der Gemeinschaft vorherrsche. Ein weiterer Grundpfeiler sei die Freiwilligkeit von Gemeinschaftsarbeit und finanziellen Beiträgen. Es gebe Empfehlungen, aber keine „klassischen Konsequenzen“ bei deren Nichteinhaltung. Die andere Workshop-Moderatorin, Marlene Günther, erklärte, dies bedeute nicht, dass kein Dialog mit einem Bewohner gesucht und geführt werde, der sich wenig in die Gemeinschaft einbringt. „Wir pflegen eine Feedback-Kultur“, sagte sie.

Bis dato haben die Betreiber des Unterfangens rund 1,2 Millionen Euro für den Kauf der derzeit gepachteten, ehemaligen Kaserne aufbringen können. Eine knappe Million sollte bis 30. April noch dazu kommen, um den Kauf des gesamten Areals - die Kaserne plus zehn Hektar ehemaliger Truppenübungsplatz - perfekt machen zu können. Derzeit wirbt der Verein um Menschen, die sich für das Projekt interessieren und bankenunabhängig in Form einer Geldanlage in das Projekt investieren wollen. Ein mögliches Aus wegen mangelnder Finanzierung schlossen die Verantwortlichen aus: „Scheitern gibt‘s nimmer“, bringt es Üblinger auf den Punkt.

Der Fehringer Bürgermeister Johann Winkelmaier (ÖVP) lobte im Gespräch mit der APA das gute Einvernehmen der Gemeinde mit den „Cambium“-Machern, denen er in der Erarbeitung der Kaufmodalitäten hohe Professionalität attestierte. Winkelmaier bestätigte weiters, dass das Projekt „grundsätzlich im Trockenen“ sei, auch für den Fall, dass bis Ende April nicht die gesamte Summe vorhanden sein sollte. Es gebe mehrere Szenarien. Die „Cambium“-Leute sprachen von einem vorhandenen Plan B und Plan C.

(S E R V I C E - Nähere Informationen über das Gemeinschaftsprojekt und finanzielle Beteiligung bzw. Anlagemöglichkeiten unter: www.cambium.at)




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