Letztes Update am So, 10.03.2019 06:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„No One Is Illegal“: Russkaja zeigen sich beständig - Popnews



Wien (APA) - *

Auf ihrem sechsten Album versuchen sich Russkaja an einer „Love Revolution“, aber trotzdem bleibt alles beim Alten: Denn das am 29. März erscheinende „No One Is Illegal“, das mit besagter Nummer beginnt, bietet die gewohnte Mischung aus russischer Folklore, punkigem Einschlag und tanzbaren Ska-Sounds. Sänger Georgij Makazaria und seine Kollegen müssen das Rad aber auch nicht neu erfinden, wissen die Fans der „Willkommen Österreich“-Hausband doch genau, was zu erwarten ist. Dass die mit reichlich Sozialkritik angereicherten Texte auch mal über die Stränge schlagen, ist man ebenfalls gewöhnt. Nur das kitschige „Otets“ hätte es in dieser Form wohl nicht gebraucht. Den soliden Rest kann man auf der kommenden Tour genießen, unter anderem am 30. März in Graz, 6. April in Dornbirn und 9. April in Wien.

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Eines der spannendsten Popalben des Jahres dürfte am 22. März das Licht der Welt erblicken: Dann erscheint mit „Ancestor Boy“ das Langspieldebüt der in New York ansässigen Sängerin Lafawndah, die in den vergangenen Jahren mit einer Reihe von Singles, Mixtapes und EPs auf sich aufmerksam machte. Die Künstlerin mit ägyptischen und iranischen Wurzeln zeigt sich auf den drei im Vorfeld ausgekoppelten Stücken als variantenreiche Interpretin, die sich in der meist sparsamen Instrumentierung unglaublich sicher und selbstbewusst bewegt. Elektronische Beats treffen auf orientalische Klänge, während sich Lafawndah Zeit lässt, um behutsam Wort an Wort zu reihen und ein ums andere Mal bezaubernde Melodien in den Raum stellt. Die Nummern erzeugen dabei einen geradezu hypnotischen Sog, der immer tiefer in Lafawndahs Welt führt. Live ist die Musikerin beim diesjährigen donaufestival in Krems Ende April zu erleben.

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Ziemlich beeindruckend ist das Debüt der britischen Krachmacher von Ithaca geworden: Die fünfköpfige Band hat mit „The Language of Injury“ einen kompakten Klumpen Hass zwischen knackigem Hardcore, infernalischen Lärmattacken und düsterem Metal gezimmert, der aktuell seinesgleichen sucht. Wie etwa in „Impulse Crush“ mathematische Präzision auf ungezügelte Wut trifft, macht definitiv Spaß. Prinzipiell erinnern die jungen Musiker in ihren besten Momenten an eine krude Mischung aus The Dillinger Escape Plan und Converge. Trotz dem Faible für die meist unter drei Minuten gehaltene Härte schimmert ab und an aber auch eine feine Melodie durch, etwa im atmosphärisch dicht arrangierten „Secretspace“. Insofern verstehen es Ithaca bestens, für Abwechslung zu sorgen in einem Genre, das gerne im eigenen Saft schmort.

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Vor einigen Monaten hat es Pauls Jets vom Underground an die Oberfläche geschwemmt: Die Wiener Band um Sänger und Songwriter Paul Buschenegg (der sich im Musikkontext den eher unglamourösen Nachnamen Hochhaus verpasst) hat einen kleinen Hype entfacht, wobei man sich mit Nummern wie „Üben üben üben“ oder „22703“ irgendwo zwischen Ja, Panik! und Wanda positioniert. Nach diversen Livedarbietungen erscheint am 22. März nun „Alle Songs bisher“ - ein konsequenter Name für ein Debüt, das üblicherweise genau das versammelt. Der zappelige Gestus, den Pauls Jets auf der Bühne versprühen, er wird hier fortgeführt, büßt aber einiges an Kraft ein. Das hier ist verschwurbelter Indie-Rock mit Weirdo-Note, der alles und nichts erfüllen will. Aber offenbar hat es sich das Trio zwischen all diesen Stühlen ziemlich gemütlich gemacht.

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Mit „The Secret Of Letting Go“ legt das britische Electronic-Duo Lamb am 26. April sein mittlerweile siebentes Studioalbum vor. Produzent Andy Barlow und Sängerin Lou Rhodes wissen darauf sowohl ihren Anfängen im Trip-Hop der 90er zu huldigen, wie sie an einer zeitgemäßen Neudeutung ihres Sounds arbeiten. Zwar wirkt das im Opener „Phosphorous“ noch etwas ungelenk, aber spätestens mit „Armaggedon Waits“ setzen Lamb ein starkes Zeichen. Leider bleibt es nicht auf Dauer so zwingend, sondern schlingern Barlow und Rhodes zwischen altbackenen Beats und feiner Melodieführung. Ob Kopfhörer oder Tanzfläche, Lamb können sich über den Einsatz dieser Songs nicht ganz klar werden. Schade.

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Eine umfangreiche Rückschau auf ihre bisherige Karriere hält Sitar-Spielerin Anoushka Shankar mit „Reflections“: Darauf versammelt die Tochter von Ravi Shankar und Halbschwester von Jazzsängerin Norah Jones Songs aus beinahe allen Schaffensphasen, zurückreichend bis zu ihrem zweiten Album „Anourag“ aus dem Jahr 2000. Dabei zeigt sich nicht zuletzt die Entwicklung der Musikerin, von einem der klassischen Tradition verpflichteten Ansatz hin zu einer offeneren Gestaltung, die auch popmusikalische Einflüsse nicht scheut. Bei einigen Stücken ist auch der Tiroler Hangspieler Manu Delago vertreten. Shankar ist in den kommenden Monaten auf umfangreicher Tour und gastiert etwa am 10. Juni in der Hamburger Elbphilharmonie.




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