Letztes Update am So, 10.03.2019 12:02

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Steinmeier verurteilt zunehmenden Antisemitismus in Deutschland



Nürnberg (APA/AFP) - Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den erstarkenden Antisemitismus in Deutschland verurteilt. „Es beschämt mich und es schmerzt mich, dass Antisemitismus in Deutschland - gerade hier! - wieder häufiger und offen seine Fratze zeigt“, sagte Steinmeier bei der zentralen Eröffnungsfeier der Woche der Brüderlichkeit am Sonntag in Nürnberg.

Es erfülle ihn „mit großer Sorge“, dass Antisemitismus auch in der Mitte der Gesellschaft „wieder salonfähig“ werde. „Antisemitismus ist in jeder demokratischen Gesellschaft so etwas wie eine rote Linie“, sagte Steinmeier laut Redetext. „Und diese Linie ist nicht verhandlungsfähig.“

Antisemitismus zeige sich auf der Straße, in Klassenzimmern und auf Schulhöfen, in politischen Reden und als Hass und Hetze im Netz. Gerade in den sozialen Netzwerken verbreiteten sich antisemitische Ressentiments und Verschwörungstheorien besonders schnell. Jeder Hassangriff und erst recht jede Gewalttat gegen Juden aber sei „ein Angriff auf die Grundlagen unseres Zusammenlebens, auf unsere Verfassung, ja: auf unsere Demokratie und unsere offene Gesellschaft“, warnte der Bundespräsident.

Dies dürfe nicht hingenommen werden. Gebraucht würden staatliches Handeln ebenso wie Zivilcourage. Eine große Verantwortung kommt Steinmeier zufolge auch den Schulen zu. Das Wissen um die Entstehung des Antisemitismus und „wie fanatischer Rassenhass Deutschland in die Barbarei stürzte“, werde vor allem in der Schule vermittelt.

Kinder benötigten aber zugleich „ein breites Bild des Judentums, von der Vielfalt jüdischen Lebens und jüdischer Kultur, wie sie sich in Deutschland über Jahrhunderte entfaltet haben“. „Und auch das lernen sie - wenn sie es lernen - zu allererst in der Schule.“ Die Zahl antisemitischer Straftaten in Deutschland waren 2018 im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent gestiegen.

Die Woche der Brüderlichkeit wird seit 1952 jedes Jahr im März begangen. Sie hat den jüdisch-christlichen Dialog zum Ziel. Seit 1968 wird jährlich die Buber-Rosenzweig-Medaille verliehen, die in diesem Jahr die Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA e.V) und das in Deutschland und Frankreich agierende Netzwerk für Demokratie und Courage e.V. (NDC) erhalten.




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