Letztes Update am So, 10.03.2019 17:47

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


NGO „Save Tibet“: „Tibet befindet sich im Überlebenskampf“



Wien (APA) - Anlässlich des 60. Jahrestages des Volksaufstandes in Tibet hat die NGO „Save Tibet“ auf die Situation der Region aufmerksam gemacht. „Tibet befindet sich heute in einem Überlebenskampf“, sagte der Lobsang Gyalpo, Vize-Obmann der österreichischen Gesellschaft zur Hilfe an das Tibetische Volk am Sonntag während eines Vortrages in Wien.

Am 10. März 1959 fand in Tibet der erste große Aufstand gegen die chinesische Besatzung statt. Bei deren Niederschlagung seien rund 86.000 Tibeter ums Leben gekommen. Der Dalai Lama, der von China als Separatist angesehen wird, musste aus Tibet fliehen.

„Die chinesische Regierung führt eine gezielte Politik der Vernichtung der tibetischen Kultur“, so Gyalpo. „Durch die Massenansiedlung von Chinesen in Tibet sind die Tibeter zu einer Minderheit in ihrer eigenen Heimat geworden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das tibetische Volk und seine Kultur völlig ausgelöscht sind“, unterstrich er. Aufgrund der 60 Jahre andauernden „illegalen Besetzung und Unterdrückung Tibets“ seien bereits „annähernd eine Million Tibeter“ umgekommen. „ Auch heute werden Tibeter unterdrückt, willkürlich inhaftiert, gefoltert und getötet“, berichtete Gyalpo.

Besonders seit den Olympischen Spielen in Peking 2008 habe sich die Situation vor Ort verschlechtert. Die Tibeter sollen besonders in den Städten totaler Überwachung ausgesetzt sein. „In den Dörfern werden die tibetischen Familien dazu gezwungen, sich gegenseitig zu überwachen und alle Unregelmäßigkeiten den Behörden mitzuteilen“, erzählte der Vize-Obmann der Gesellschaft. Auch die Bewegungsfreiheit der Tibeter sei eingeschränkt, sodass immer weniger Menschen aus der Region fliehen könnten.

„Die repressive Lage im Tibet ist so unerträglich geworden, dass die Menschen gezwungen sind, auf drastische Mittel, wie Selbstverbrennungen zurückzugreifen, um auf die angespannte Lage aufmerksam zu machen“, berichtete Gyalpo. In den letzten Jahren habe es über 150 solcher Selbstverbrennungen gegeben. „Das ist eine Realität, von der viele Politiker, Regierungen und Firmen nichts wissen wollen. Sie wollen lieber Handel mit China treiben“, kritisierte er.

„Überall auf der Welt wird lautstark für Friede und gegen Gewalt gepredigt, aber genau dort, wo auf Gewalt verzichtet wird, wird der gewaltlose Kampf der Tibeter bestraft, indem das Thema Tibet völlig ignoriert wird“, beklagte der Vize-Obmann. „Man sollte sich nicht wundern, wenn die Menschen in den Krisenherden der Welt zu Gewalt greifen, wenn sie sehen, wie der Verzicht auf Gewalt der Menschen in Tibet von der Welt belohnt wurde“, fuhr er fort.




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