Letztes Update am Mo, 11.03.2019 08:38

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Apothekertagung - Fieber und Hautausschlag: Zumeist Viren



Schladming (APA) - Kinder haben im Durchschnitt bis zu zehn fieberhafte Erkrankungen pro Jahr. Antibiotika sind nur in relativ seltenen Fällen angezeigt, weil es sich zumeist um Virusinfektionen handelt, sagte Sonntagabend bei der Apotheker-Fortbildungstagung (bis 13. März) in Schladming Volker Strenger von der Grazer Universitäts-Kinderklinik.

Fieber, Hautausschlag und andere unspezifische Beschwerden stehen bei Babys, Kleinkindern und Schulkindern bei solchen Erkrankungen als Symptome im Vordergrund. Gerade was die Hautausschläge betrifft, ist zunächst an virale Ursachen zu denken: Masern, Röteln, Ringelröteln (Parvovirus), Dreitagesfieber (HHV-6), Feuchtblattern oder die Hand-Fuß-Munderkrankung (Coxsackie-Viren). Hinzu kann noch der Scharlach als bakterielle Infektion (Streptokokken pyogenes) kommen.

Bis auf den Scharlach wären in allen diesen Fällen Antibiotika wirkungslos. Eine nicht angezeigte Verschreibung und Einnahme ist daher sinnlos, fördert bloß die Ausbildung von Resistenzen. Volker Strenger zeigte das auch in einer geschichtlichen Abfolge. Von den ersten Sulfonamid-Antibiotika (ab 1930) über Penicillin, Tetracyclin, Erythromycin, die Cephalosporine, Ampicillin, Vancomycin bis hin zu Linezolid (2000) und den neuesten Wirksubstanzen zeigte sich: Bereits unmittelbar nach der breiteren Markteinführung wurden die ersten resistenten Keime beobachtet.

Besonders schnell erfolgte diese Entwicklung bei Breitband-Antibiotika, die gleichzeitig gegen verschiedenste Bakterien wirken und aus falsch verstandener Sicherheit besonders häufig verschrieben werden. „So breit wie nötig, so schmal wie möglich“, sollte bei der Auswahl der Mittel die Devise lauten, sagte der Experte.

„Die meisten Infektionen der oberen Atemwege sind bei Kindern viral bedingt. Das gilt für die Rhinitis, die Laryngitis (Kehlkopfentzündung; Anm.) und die Bronchitis“, erklärte Strenger. Auch die eitrige Mandelentzündung sei nur zu 15 bis 30 Prozent durch Streptokokken verursacht, bei denen Antibiotika helfen könnten. „Je kleiner das Kind, desto eher ist es ein Virus.“

Ein klassisches Beispiel einer Krankheit, bei der ehemals viel zu häufig Antibiotika verschrieben wurden, ist die Mittelohrentzündung. „Auch die Otitis media ist zumeist viral bedingt. Sie heilt in 80 Prozent der Fälle binnen zwei Tagen von selbst ab“, sagte Strenger. Schmerz- und Fiebersenkende Mittel sind hier zumeist die bessere Hilfe. Gut zwei Drittel der Lungenentzündungen bei Kindern werden ebenfalls durch Viren verursacht, was auch in diesen Fällen Antibiotika nicht wirken lässt.

Stellt sich eine mit Antibiotika anbehandelte Erkrankung schließlich als Virusinfektion heraus, sollte mit der Einnahme der dann unwirksamen Medikamente sofort aufgehört werden. Ansonsten können erst recht resistente Keime entstehen.




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