Letztes Update am Mo, 11.03.2019 08:44

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutsche Wirtschaft drosselte Produktion im Jänner



Berlin (APA/Reuters/AFP) - Die deutschen Unternehmen haben ihre Produktion im Jänner überraschend gedrosselt. Industrie, Bau und Energieversorger stellten zusammen 0,8 Prozent weniger her als im Vormonat, wie das deutsche Wirtschaftsministerium am Montag mitteilte. Ökonomen hatten einen Anstieg um 0,5 Prozent erwartet, nachdem es im Dezember noch ein Plus von 0,8 Prozent gegeben hatte.

Verantwortlich für den Rückgang ist vor allem die Fahrzeugindustrie. Sie drosselte ihre Fertigung um 9,2 Prozent. Dazu hätten „auch Produktionsstillstände aufgrund von Modellwechseln sowie Streiks bei Zulieferern und damit erneut Sondereffekte“ beigetragen, erklärte das Ministerium. „Angesichts der gesunkenen Produktion im Januar und der schwachen Frühindikatoren ist weiterhin von einer gedämpften Industriekonjunktur auszugehen.“

Die Industrie hatte zu Jahresbeginn überraschend einen Auftragseinbruch erlitten. Das Neugeschäft ging im Jänner um 2,6 Prozent zum Vormonat zurück, wie das Wirtschaftsministerium bereits am Freitag mitteilte.

Gestiegen sind hingegen die deutschen Exporte. Die Ausfuhren legten zum Jahresauftakt im Jänner leicht zu - im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,7 Prozent zu, wie das deutsche Statistikamt am Montag mitteilte. Die Importe stiegen um 5,0 Prozent. Gegenüber dem Vormonat Dezember 2018 blieben die Exporte kalender- und saisonbereinigt nahezu unverändert. Von Reuters befragte Ökonomen hatten bereinigt sogar mit einem Export-Rückgang um 0,5 Prozent gerechnet, nachdem es im Dezember noch einen Anstieg von 1,5 Prozent gegeben hatte.

Die deutsche Bundesregierung hält indes ihre erst Ende Jänner gesenkte Wachstumsprognose für 2019 für zu optimistisch. Intern rechne sie für das laufenden Jahr nur noch mit 0,8 Prozent Wachstum, berichtet das „Handelsblatt“ am Montag unter Verweis auf einen vertraulichen Vermerk des deutschen Finanzministeriums. Auch die kürzlich gesenkte Prognose der Industrieländerorganisation OECD auf 0,7 Prozent Wachstum für Deutschland „erscheint auf dem derzeitigen Datenstand nicht unplausibel“. Angesichts der aktuellen Daten bestünden Abwärtsrisiken.

Als ein Grund für die Konjunkturabkühlung wird dem Bericht zufolge in dem Regierungspapier unter anderem „die sich abschwächende Weltwirtschaft“ genannt. Zudem sei von „signifikanten Negativrisiken“ die Rede. Dazu zählten unter anderem eine Eskalation von Handelskonflikten, eine schwächere Entwicklung in den USA, in China und in Schwellenländern sowie politische Risiken in Europa. Verwiesen werde neben dem Brexit vor allem auf die Lage in Italien.

Die deutsche Bundesregierung hatte Ende Jänner die Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes im laufenden Jahr nahezu halbiert - von bisher 1,8 auf 1,0 Prozent. Das wäre das kleinste Plus seit 2013.




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