Letztes Update am Mo, 11.03.2019 12:06

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Iranische Menschenrechtlerin Sotudeh zu sieben Jahren Haft verurteilt



Teheran (APA/dpa) - Die iranische Menschenrechtlerin und Sacharow-Preisträgerin Nasrin Sotudeh ist in Teheran zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. „Sotudeh wurde vom Revolutionsgericht wegen staatsfeindlicher Propaganda zu fünf und Beleidigung des obersten Führers (Ali Khamenei) zu zwei Jahren Haft verurteilt“, sagte der Richter Mohammad Moghiseh am Montag der Nachrichtenagentur ISNA.

Da Sotudeh das Urteil nicht anerkannt habe, werde der Fall automatisch an ein Berufungsgericht weitergeleitet, so der Richter, der von Menschenrechtlern für die Verurteilung, Folter und Hinrichtung zahlreicher politisch Verfolgter verantwortlich gemacht wird.

Die 55-Jährige Sotudeh sitzt seit ihrer Verhaftung im vergangenen Juni im berüchtigten Evin-Gefängnis in der Hauptstadt Teheran. Neben staatsfeindlicher Propaganda und Beleidigung des Führers wurde ihr auch Spionage unterstellt.

Sotudeh hat alle Vorwürfe kategorisch zurückgewiesen. Sie hatte es ebenfalls abgelehnt, eine Kaution von umgerechnet 125.000 Euro bis zu ihrem Gerichtstermin zu hinterlegen. Zudem protestiert sie mit einem Hungerstreik gegen das Urteil und ihre Behandlung im Gefängnis.

Sotudeh und ihr Mann Reza Khandan gehören zu den renommiertesten Menschenrechtsaktivisten im Iran. Sotudeh arbeitete hauptsächlich als Anwältin für Dissidenten. In den vergangenen Monaten hat sie zudem die Verteidigung zweier junger Frauen übernommen, die gegen das Kopftuchverbot protestiert hatten und in Haft gekommen waren.

Die Sacharow-Preisträgerin war bereits 2010 wegen angeblicher Propaganda gegen das von islamischen Geistlichen beherrschte Establishment zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Nach der Wahl Hassan Rouhanis zum Präsidenten wurde die Regimekritikerin im September 2013 vorzeitig aus der Haft entlassen.

Der vom EU-Parlament vergebene Sacharow-Preis ehrt seit 1988 jährlich besonderes Engagement für Menschenrechte und ist mit 50.000 Euro dotiert.

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