Letztes Update am Mo, 11.03.2019 12:15

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Zufällig gewählte Chefs sind besser als selbstbewusste



Freiburg (APA/sda) - Forscher der Schweizer Uni Freiburg haben in einem Experiment untersucht, wie gut verschiedene Typen von Chefs mit ihrem Team Aufgaben lösen. Zufällig gewählte Anführer schnitten dabei besser ab als selbstbewusste.

Die Wissenschafter um Berno Büchel von der Universität Freiburg haben ein Experiment durchgeführt, das viele Angestellte mit selbstbewussten Chefs interessieren dürfte: Wenn der Anführer glaubt, sich gut auszukennen, erzielt das Team schlechtere Ergebnisse als mit einem zufällig gewählten Chef, berichteten der Schweizerische Nationalfonds (SNF) und die Akademien der Wissenschaften Schweiz in der aktuellen Ausgabe ihres Magazins „Horizonte“.

In einer ersten Stufe des Experiments stellten Büchel und sein Team über 170 Probanden acht Schätzfragen, etwa in der Art „Wie viel Prozent der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt?“. Neben der Antwort mussten die Teilnehmenden auch ihre Unsicherheit angeben. So konnten die Forscher feststellen, wer gut Bescheid wusste und wer nicht, und wer nur glaubte, sich gut auszukennen.

Für eine zweite Stufe teilten die Wissenschafter Viererteams ein und bestimmten einen Teamchef. Ein Teil der Teams bekam jeweils einen selbstbewussten Anführer, dessen Unsicherheit besonders klein war. Ein weiterer Teil erhielt einen kompetenten Chef, dessen Antworten aus der ersten Stufe besonders gut waren. Bei einem dritten Teil wählten die Forschenden zufällig einen Chef.

Dann stellten sie den Teams Fragen aus den gleichen Themengebieten, und zwar mehrfach hintereinander. Die Anführer konnten die Antworten ihrer Teammitglieder einsehen und ihre Antwort Runde um Runde anpassen, hieß es im „Horizonte“-Artikel. Die Teammitglieder konnten jeweils nur die Antwort des Chefs einsehen. So konnten die Wissenschafter feststellen, wie stark sich der Chef vom Team und das Team vom Chef beeinflussen ließ.

Insgesamt schlossen die Teams mit selbstbewussten Chefs schlechter ab. „Diese Leader haben zu viel Einfluss im Verhältnis zur Expertise des Teams“, erklärte Büchel. Zufällig gewählte Chefs würden hingegen von der Mannschaft weniger überschätzt, und diese Anführer achteten mehr auf die Meinung des Teams. Das sei eine wichtige Führungskompetenz.

Indem die zufällig gewählten Anführer mehr auf die Expertise ihres Teams zurückgriffen, erzielten diese Teams ein gleich gutes Ergebnis wie diejenigen mit kompetenten Teams. „Es hat Vorteile, Führungspersonen zufällig zu wählen“, fasste Büchel zusammen. „Die hören besser zu.“




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