Letztes Update am Mo, 11.03.2019 12:24

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Handgreiflicher Streit in Familie: Vater und Tochter verurteilt



Graz (APA) - Im Grazer Straflandesgericht sind am Montag ein steirischer Landwirt und seine Tochter wegen Körperverletzung, gefährlicher Drohung und versuchter Nötigung verurteilt worden. Opfer waren die Mutter und einer der Söhne. Die Beschuldigten fühlten sich vom anderen Teil der Familie verleumdet und legten gegen die Geldstrafe von jeweils 1.800 Euro Berufung ein. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Zweimal wurde schon verhandelt, doch der Angeklagte konnte dem Geschehen aufgrund seines schlechten Gehörs nur schwer folgen. Mittlerweile hatte er zwar ein Hörgerät, hört damit aber nach eigenen Angaben schlechter als ohne. Aber viel wollte Richterin Michaela Lapanje nicht mehr wissen, in erster Linie war die Tochter am Wort.

Der Pensionist und seine Tochter sollen immer wieder auf die Mutter losgegangen sein. Der Mann hat seiner Frau laut Anklage nicht nur Faustschläge ins Gesicht versetzt, sondern sie auch mit einem Holzjausenbrett geschlagen. Der Tochter - Sozialpädagogin mit Doktortitel - wird unter anderem vorgeworfen, die Mutter an der Nase gepackt und so hin- und hergerissen zu haben, dass die Frau Nasenbluten bekam. Auch Drohungen wie „du gehörst weg, ich bring dich in die Nervenklinik“ sollen gefallen sein.

Auslöser des Streites war unter anderem einer der Söhne. „Der Bua wird in ein paar Wochen 40, hat keinen Beruf und arbeitet nichts“, beklagte sich der Vater über den Langzeitstudenten. Die Mutter habe dem Sohn aber immer wieder Geld gegeben. „Deswegen sitzen wir nicht hier“, warf die Richterin ein. Die angeklagte Tochter soll nicht nur den Bruder unter Druck gesetzt haben - „Pass auf du Trottel, du bist ja drogensüchtig, ich zeig dich an, dir glaubt eh keiner“ - sondern auch einen Polizisten. „So viel psychischen Druck gegen mich und meine Dienststelle habe ich noch nie erlebt“, schilderte er vor Gericht das Verhalten der Beschuldigten. „Sie hat die Bezirkshauptmannschaft und uns immer wieder gegeneinander ausgespielt“, ergänzte der Beamte.

Die Mutter hatte angegeben, ihr Mann habe sie immer wieder beschuldigt, faul zu sein und nicht zu arbeiten, weil sie wegen einer Beinverletzung nicht in den Stall gegangen war. „Während der Jause ist es wieder zum Streit gekommen, da ist er aufgestanden, hat ein Brettl genommen und mir auf den Kopf geschlagen. Das Brettl ist zerbrochen“, beschrieb sie die Zustände.

Laut der Richterin machte die Frau einen „sehr glaubhaften Eindruck“. Für den Landwirt und die Tochter hieß das Schuldspruch, beide wurden zu 1.800 Euro Geldstrafe verurteilt und kündigten voller Empörung sofort Berufung an. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.




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