Letztes Update am Mo, 11.03.2019 15:00

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Strafmaß-Verkündung gegen Kardinal Pell am Mittwoch



Canberra (APA) - Am Mittwoch wird das Strafmaß gegen den wegen Missbrauchs verurteilten australischen Kardinal George Pell verkündet. Der abschließende Richterspruch soll im Interesse einer „offenen Justiz“ live im Fernsehen übertragen werden, teilte das zuständige Bezirksgericht in Melbourne mit, wie Kathpress meldet.

Pell war Ende Februar des sexuellen Missbrauchs schuldig gesprochen worden. Bis zur Verkündung des Strafmaßes muss er in Untersuchungshaft bleiben. Er wurde für schuldig befunden, 1996 als Erzbischof einen 13 Jahre alten Buben in der Sakristei der Kathedrale von Melbourne sexuell missbraucht und einen anderen belästigt zu haben. Der Kardinal beteuert seine Unschuld und legte Berufung ein. Eine entsprechende Anhörung könnte Medienberichten zufolge Anfang Juni stattfinden.

Unterdessen droht Pell ein weiteres Verfahren. Ein 50-jähriger Mann plant laut australischen Medien eine Zivilklage gegen ihn. In dem weiteren Fall geht es um Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens in einem Schwimmbad in Pells Heimatort Ballarat in den 1970er Jahren.

Die nun erfolgte Verurteilung wegen Missbrauchs spaltet die australische Öffentlichkeit. Für seine Anhänger ist Pell weiter unschuldig. Für seine Gegner hat sich bewahrheitet, was sie schon immer zu wissen glaubten. Der konservative amerikanische Publizist und Theologe George Weigel, den eine lange Freundschaft mit Pell verbindet, hat in einem Beitrag für das US-Magazin „National Review“ dargelegt, warum der Schuldspruch gegen den Kardinal nicht haltbar sei. Andere sind in Sachen Berufungsverfahren weniger zuversichtlich.

Richter Peter Kidd, der Pell verurteilt hat, gilt als sorgfältiger Jurist. Viele halten es daher für unwahrscheinlich, dass es gelingen könnte, mögliche Verfahrensfehler nachzuweisen. Der australische Jesuit und Autor Michael Kelly meinte deshalb am Wochenende, dass „die Chancen, die Berufung zu gewinnen, nicht groß“ seien.




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