Letztes Update am Di, 12.03.2019 10:57

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Heldenehrungen von Beethoven über Williams bis Bach - Klassiknews



Wien (APA) - *

John Williams wird von Dudamel gefeiert (Deutsche Grammophon): Um es vorwegzunehmen: Ja, der „Imperial March“ ist mit dabei auf der Platte. Eigentlich hätten die Wiener Philharmoniker mit John Williams ja im vergangenen November den Doyen der Hollywood-Komponisten bei sich am Pult des Musikvereins begrüßen sollen, woraus wegen Erkrankung des damals 86-Jährigen nichts wurde. Ende Jänner kam dann das Los Angeles Philharmonic in der Disney Concert Hall in den Genuss. Am Pult stand Chefdirigent Gustavo Dudamel, der durch ein Best-of des Komponistenoeuvres führte - vom marimbalastigen Schulaufenthalt von „Harry Potter“ über das breite Tutti des „Jurassic Park“, von der unsterblichen „Olympic Fanfare“ bis hin zu den legendären „Star Wars“-Rhythmen inklusive des eingangs erwähnten Lord-Vader-Marsches. In den Händen des Spitzenorchesters erweist bei aller filmischer Überschattung der Klänge die Musik des Altmeisters ihre wahre Qualität, die an Aaron Copland ebenso geschult ist wie an Richard Wagner.

***

Zwei Jungbeaus im Klassikduett (Deutsche Grammophon): Andreas Ottensamer hat sich als Soloklarinettist der Berliner Philharmoniker und als lässiger Musiker im Crooneroutfit einen Nimbus erarbeitet. Ähnliches gilt auch für die chinesischstämmige Wahl-New-Yorkerin Yuja Wang am Klavier. Gemeinsam mit dem für gewöhnlich etwas weniger glamourös gewandeten Mariss Jansons am Pult der Berliner Philharmoniker haben die beiden nun unter dem sprechenden Titel „Blue Hour“ eine Platte veröffentlicht, die nicht zuletzt den kantablen Aspekten der Klarinette huldigt. Nach Carl Maria von Webers 1. Klarinettenkonzert stehen Felix Mendelssohn Bartholdys „Lieder ohne Worte“ in der Bearbeitung von Ottensamer am Tapet. Die ursprünglich lediglich für das Piano konzipierten Preziosen erhalten in der Interpretation des Wieners vielleicht keine Worte, aber doch eine Stimme, was auch für Johannes Brahms‘ „Wie Melodien zieht es mir“ gilt. Ein Hochamt der sängerischen Fähigkeiten eines Instruments.

***

Saraste schenkt sich Beethoven zum WDR-Abschied (WDR/Profil): Neun Jahre lang war der finnische Dirigent Jukka-Pekka Saraste Chefdirigent des WDR-Sinfonieorchesters in Köln. Zum Abschied - Cristian Macelaru übernimmt die Funktion mit der kommenden Spielzeit - schenkte man sich gegenseitig knappe sechs Stunden Beethoven. Alle neun Symphonien auf fünf CDs zeichnete der WDR in der Kölner Philharmonie auf, als bleibender Nachlass der gemeinsamen Zeit. Er habe, sagt Saraste im Booklet, mit diesem Orchester viel über das deutsche Repertoire gelernt. Nach einem sogenannten deutschen Klangideal streckt sich auch dieser Beethoven - dunkle Streicher, markantes Blech, klare Linien, präzise geschnittene Figuren. Bei durchaus ambitioniertem Tempo entsteht aber keine Dringlichkeit, bei sorgfältig gearbeiteten Effekten keine Explosivität. Seine Qualitäten strahlt das Orchester eher in den warmen, von den Rundungen der tiefen Streicher getragenen Passagen ab, etwa im berückend fein musizierten Andante der hier final gesetzten Fünften.

***

Bach auf ungewohntem Instrument (La Dolce Volta): Bachs Orgelwerk ist eines der Fundamente des protestantischen Musikschaffens. Der französische Organist Olivier Latry hat einen Ausschnitt dieses Oeuvres nun an „seiner“ Orgel in der Pariser Kathedrale Notre Dame eingespielt, wo der 57-Jährige seit 1985 als einer von drei Titularorganisten wirkt. Bei Latrys Debüt auf dem Label Dolce Volta - mit üppigem Booklet daherkommend - entspinnt sich zwischen barocker Musik aus Deutschland, gespielt in einer katholischen Kathedrale in Frankreich auf einem nicht für den Barock konzipierten Instrument ein nicht unspannender, wenn auch nicht friktionsfreier Dialog. Mit dem in der Mischung ungefiltert beibehaltenen Hall wird so das heimische Wohnzimmer zum gigantischen Kirchenraum.

***

Die Janoskas rufen die Revolution aus (Deutsche Grammophon): Seit seiner Gründung 2013 hat sich das Familienquartett Janoska Ensemble zu einer der führenden Vertreter des boomenden Bereichs der Crossoverformationen entwickelt. Nach ihrem Debütalbum „Janoska Style“ 2016 legen die drei Brüder Ondrej, Frantisek und Roman Janoska nun gemeinsam mit ihrem angeheirateten Cousin Julius Darvas nach. Und mit „Revolution“ legt man die Nachfolgeplatte um keinen Deut weniger ambitioniert an. „Wie die Beatles die Popmusik revolutioniert haben, wollen wir in gewissem Sinne die Klassik revolutionieren“, ruft Kontrabassist Darvas zum Umsturz auf. So steht „Yesterday“ einträglich neben Mozarts „Hochzeit des Figaro“, „Let it be“ neben Cole Porters „Night and Day“. Als Draufgabe gibt es Eigenkompositionen der Musiker, die wie die Interpretationen von Fremdmaterial im Spannungsfeld von gelebter Improvisation, gepflegtem Barjazz und Heurigenseligkeit daherkommen.

***

Andris Nelsons setzt seinen Schostakowitsch fort (Deutsche Grammophon): Vielarbeiter Andris Nelsons, der 2020 das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker dirigieren wird, setzt in der Zwischenzeit sein Projekt mit dem Boston Symphony Orchestra fort, die Schostakowitsch-Symphonien unter dem Übertitel „Under Stalin‘s Shadow“ bei der Deutschen Grammophon einzuspielen. Mit der Nr. 6 und der legendären Nr. 7, der „Leningrader“ Symphonie, hält der 40-jährige Lette nun bei acht von 15 symphonischen Werken, die von den Bostonern wieder ohne allzu großen russischen Furor, sondern klar, schlank, transparent gespielt werden. Als Draufgabe gibt es diesesmal neben der „Festive Ouverture“ die Preziose der Bühnenmusik zu „King Lear“, die ebenfalls Anfang der 1940er entstand.




Kommentieren