Letztes Update am Di, 12.03.2019 11:27

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Apothekertagung - „Groschengeschäft“ bei Kassenumsätzen in Apotheken



Schladming (APA) - Die derzeit rund 1.400 öffentlichen Apotheken in Österreich haben zwischen 2011 und 2018 einen Umsatzanstieg bei von den Krankenkassen bezahlten Medikamenten von 27,4 Prozent registriert. Der Anstieg bei der Vergütung der Apothekenleistungen betrug für diesen Zeitraum nur vier Prozent und lag somit unter der Inflationsrate, hieß es am Montag bei der Apotheker-Fortbildungstagung in Schladming.

„Hier ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Überall gibt es schon eine Leistungsabgeltung für die Apotheken. Die Spanne (Marge zwischen Einkaufs- und Abgabepreis; Anm.) rückt in den Hintergrund“, sagte Apothekerkammer-Präsidiumsmitglied Gerhard Kobinger bei der Vorstellung des neuen Wirtschaftsberichtes der Österreichischen Apothekerkammer. 2009 hätte die Marge für die Apotheken im Krankenkassenbereich noch 18,56 Prozent betragen, zuletzt nur noch 14,54 Prozent. Das Vergütungssystem basiert ausschließlich auf den Margen.

Kobinger führte folgendes Beispiel für das zunehmende „Groschengeschäft“ bei in Grippezeiten gängigen Arzneimitteln auf Kassenrezept an. Eine Packung Mexalen-Tabletten (Anwendung bei Kopfschmerzen und Fieber; Anm.) bringe 0,24 Euro für die Apotheke. Ein Schnupfen-Nasenspray 0,34 Euro, eine eventuell noch zusätzlich vom Arzt verschriebene Gurgellösung 0,33 Euro. Damit seien Betrieb und Leistungsumfang von Apotheken nicht mehr finanzierbar. Die Mischkalkulation aus Krankenkassen- und Privatumsätzen gehe sich immer schlechter aus.

In Österreich gab es 2018 eine Steigerung des Kassenumsatzes der Apotheken um 2,8 Prozent, hingegen wurden 1,6 Prozent weniger Arzneimittelpackungen abgegeben. Im Burgenland waren es plus 3,5 Prozent Kassenumsatz, in Kärnten plus 2,6 Prozent, in Niederösterreich um 2,7 Prozent mehr. In Oberösterreich nahmen die Arzneimittelausgaben (Krankenkassen) um 2,9 Prozent zu, in der Steiermark um 3,6 Prozent, in Salzburg um 3,8 Prozent, in Tirol um vier Prozent. Vorarlberg lag an der Spitze mit 5,4 Prozent. Wien hatte unter den Bundesländern mit plus 1,5 Prozent die geringste Steigerung.

Das wirtschaftliche Dilemma liege für die öffentlichen Apotheken vor allem darin, dass die Vergütung bei den von den Krankenkassen bezahlten Medikamenten nicht linear mit den Preisen für das jeweils abgegebene Produkt steige. Bei den am häufigsten verschriebenen Arzneimitteln machen sich die niedrigen Preise bemerkbar, für die Abgabe von hochpreisigen Medikamenten gibt es nur noch einen Fixbetrag. Vor allem dort spielen sich aber die Umsatzsteigerungen ab.

So betrug der Anteil der „Hochpreispräparate“ - mehr als 200 Euro Einkaufspreis pro Packung - 2015 noch knapp 34 Prozent. 2018 waren es fast 44 Prozent. Eine mittlere Apotheke (median - die Hälfte darüber, die Hälfte darunter) machte in Österreich 2018 einen Umsatz von 3,092 Millionen Euro (67,1 Prozent davon Kassenumsatz).




Kommentieren