Letztes Update am Di, 12.03.2019 11:42

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Messerattacke 2 - Gutachter empfahl bedingte Nachsicht der Einweisung



St. Pölten (APA) - Im Prozess um eine Messerattacke in Tulln hat der psychiatrische Gutachter die bedingte Nachsicht der Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher für den Betroffenen empfohlen. Der Verteidiger des 28-Jährigen sah die Voraussetzungen dafür gegeben, der Staatsanwalt sprach in seinem Schlussvortrag von „Bedenken“ hinsichtlich einer solchen Entscheidung.

Die ursprünglich für den weiteren Verlauf des Prozesses ausgeschlossene Öffentlichkeit wurde vor den Vorträgen der Gutachter wiederhergestellt. Der psychiatrische Sachverständige bescheinigte dem Betroffenen eine schwere psychische Erkrankung, eine paranoide Schizophrenie, die wenige Tage „vor dem gegenständlichen Ereignis ausgebrochen ist“. Die „schwere psychische Störung“ habe sich dahingehend geäußert, dass der Betroffene hochgradige Angst und paranoide Vorstellungen gehabt habe, sagte der Gutachter. Der 28-Jährige habe sich „hochgradig innerlich aufgelöst und chaotisch“ gefühlt. Der Betroffene habe nicht gewusst, was er tut, und sei in einem „sehr schweren seelischen Ausnahmezustand“ gewesen.

Aktuell zeige sich der Betroffene krankheitseinsichtig und bereit dazu, eine Behandlung durchführen zu lassen. Mithilfe der Medikation sei das Seelenleben des 28-Jährigen „weitgehend geordnet“. Der Sachverständige empfahl daher die bedingte Nachsicht der Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Als Weisungen, die aus seiner Sicht in diesem Fall zu erteilen wären, nannte der Gutachter unter anderem die Unterbringung in einer betreuten Wohneinrichtung, regelmäßige fachärztliche Kontrolle und psychosoziale Beratung, eine engmaschige Medikamentenspiegelüberprüfung sowie Alkohol- und Drogenabstinenz.

Gutachter Wolfgang Denk führte aus, dass das Opfer drei Stichwunden am Brustkorb aufgewiesen habe. Ein Stich habe die Lunge, den Herzbeutel und die linke Herzhälfte durchstoßen, hob der Mediziner hervor. Eine weitere Schnittwunde am Hals führte dem Sachverständigen zufolge zu einer Verletzung der Luftröhre. Zudem sei die Partnerin des Betroffenen am Kopf und am rechten Zeigefinger verletzt worden.

Der Staatsanwalt sprach davon, dass außer Streit stehe, dass der Betroffene zum Tatzeitpunkt zurechnungsunfähig gewesen sei. Er habe aber Bedenken hinsichtlich einer bedingten Nachsicht der Einweisung, hielt der Vertreter der Anklagebehörde fest. Der Verteidiger des 28-Jährigen erklärte, dass die bedingte Nachsicht gerechtfertigt sei, weil die gesetzlich festgehaltenen Voraussetzungen aus seiner Sicht eingehalten werden.

Die Geschworenen haben über die Hauptfrage nach versuchtem Mord, zwei Eventualfragen sowie die Zusatzfrage nach der Zurechnungsfähigkeit des Betroffenen zu entscheiden. Die Beratungen begannen gegen 11.30 Uhr, ein Urteil wurde für den Nachmittag erwartet.




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