Letztes Update am Di, 12.03.2019 12:21

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Experte: Diagnose von Glaukom ist wie das Zusammenbauen eines Puzzles



Wien (APA) - Rund 70 Millionen Menschen sind weltweit am sogenannten Glaukom bzw. Grünem Star erkrankt, doch viele merken aufgrund fehlender Symptome über viele Jahre nichts. Digitale Systeme helfen dabei, den Sehnerv zu untersuchen und Veränderungen rasch festzustellen, um den Krankheitsverlauf zu verlangsamen, hieß es am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien anlässlich des heutigen Weltglaukomtags.

„Die Erkrankung des Glaukoms ist sehr komplex. Ein erhöhter Augendruck lässt sich zwar gut messen, aber wenn man nur den Augendruck misst, bekommt man viele falsche Diagnosen,“ sagte Christoph Faschinger von der Universitäts-Augenklinik in Graz. Deshalb würden zunehmend digitale Systeme eingesetzt werden, die den Sehnervkopf vermessen. Denn ein kranker Sehnervkopf sei für Gesichtsfeld-Ausfälle und damit für eine mögliche Erblindung verantwortlich.

„Das Glaukom ist bei rechtzeitiger Diagnose eine gut behandelbare Erkrankung“, sagte Gerhard Garhöfer von der MedUni Wien. Moderne Systeme würden über künstliche Intelligenz verfügen und somit immer weiter lernen. Bilder von gesunden und erkrankten Sehnerven werden ständig in die Datenbanken eingespielt und sorgen dafür, dass die Systeme schon geringe Veränderungen erkennen und vor einem Glaukom warnen können. Doch eine einhundertprozentige Sicherheit gebe es nicht. „Ähnlich wie Assistenzsystem im Auto helfen sie den Ärzten bei einer Diagnose,“ sagte er.

Für Anton Hommer, Oberarzt an der Wiener Krankenanstalt Hera bzw. Vorsitzender der Glaukom-Kommission der Ophthalmologischen Gesellschaft, bringt die Digitalisierung aber auch Gefahren mit sich. „Beim Glaukom sind noch immer sehr viele Fragen offen und es kann viel spekuliert werden. Dr. Google hat immer Sprechstunde, ob er Recht hat ist eine andere Frage,“ sagte er. Im Internet gäbe es viele Unternehmen, die nur an den Patienten verdienen wollen. „Und wenn man potenziell erblindet, macht man Geld locker,“ sagte er.

Online gäbe es laut Hommer viele Produkte, die mit einer Heilung vom Glaukom werben. Zudem würde ein falsches Bild der Erkrankung dargestellt werden. „Im Internet werden immer schwarze Flecken dargestellt, was nicht stimmt,“ sagte er. Vielmehr würden sich die Augen ergänzen und Einschränkungen würden selbstständig erst spät erkannt werden. Deshalb rät Hommer allen Menschen ab dem 50. Lebensjahr, sich jährlich bei einem Augenarzt untersuchen zu lassen.




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