Letztes Update am Di, 12.03.2019 12:57

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutsche Gewerkschaften lehnen Großbanken-Fusion ab



Frankfurt (APA/Reuters) - Eine mögliche Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank trifft auf massiven Widerstand bei den Arbeitnehmern. Sowohl die deutsche Dienstleistungsgewerkschaft Verdi als auch die Bankengewerkschaft DBV machten am Dienstag klar, dass sie gegen einen Zusammenschluss der beiden letzten deutschen Großbanken sind.

Unter anderem deshalb, weil dieser wahrscheinlich zehntausende Arbeitsplätze kosten dürfte und aus ihrer Sicht die Probleme der beiden Institute nicht löst. Am Wochenende war bekannt geworden, dass Deutsche Bank und Commerzbank informelle Gespräche über eine mögliche Fusion begonnen haben - mit dem Segen der deutschen Regierung.

„Wir lehnen die Fusion ab“, erklärte der Verdi-Mann Jan Duscheck, der für die Gewerkschaft im Aufsichtsrat der Deutschen Bank sitzt, in einer Reuters vorliegenden E-Mail. Ein Zusammenschluss der beiden Banken sei aus einer ganzen Reihe von Gründen nicht sinnvoll. Besonders problematisch sei aber, dass dadurch „mindestens 10.000 weitere Arbeitsplätze akut gefährdet wären – zuzüglich der darüber hinaus perspektivisch wegfallenden Arbeitsplätze, weil die Fusion die an das neue Institut gestellten Wachstumserwartungen aus heutiger Sicht nicht erfüllen wird“.

Durch eine Fusion der beiden Geldhäuser ergebe sich nicht automatisch ein „nationaler Champion“, argumentierte Verdi. Weil nach einer Fusion immer noch keine selbst im europäischen Markt wirklich große Bank entstehe, würde das neue Institut stattdessen „deutlich attraktiver für eine ‚feindliche‘ Übernahme, zum Beispiel aus Frankreich“. Beide Banken erfüllten bereits heute alle Anforderungen der deutschen Wirtschaft, auch im globalen Kontext. Zudem würden sich viele Bereiche überschneiden, etwa im Privat- und Firmenkundengeschäft. Das größte Problem der Deutschen Bank, das schwächelnde Investmentbanking, werde hingegen durch einen Zusammenschluss nicht gelöst, weil die Commerzbank dort nicht aktiv sei.

Die Bankengewerkschaft DBV kündigte am Dienstag bereits ihren Widerstand an, sollte das Projekt Fusion weiter verfolgt werden. „Sollte die Fusion kommen mit dem erwartbaren großen Stellenabbau, würden wir sicher mit unseren Mitteln dagegen vorgehen“, sagte ein DBV-Sprecher der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Die Erfahrung mit früheren Bankenfusionen wie der von Commerzbank und Dresdner Bank hat gezeigt, dass sie keineswegs automatisch in eine goldene Zukunft führen.“

Durch die Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank entstünde ein Mega-Institut mit rund 38 Millionen Kunden, einer Bilanzsumme von fast zwei Billionen Euro und anfänglich rund 130.000 Mitarbeitern in aller Welt. Im Vergleich zu ausländischen Großbanken wäre das neue Geldhaus allerdings immer noch ein Leichtgewicht - gemessen an seinem kombinierten Börsenwert von aktuell rund 25,5 Milliarden Euro. Nachdem die Aktien beider Banken zu Wochenbeginn wegen der Spekulation auf einen möglichen Zusammenschluss kräftig zugelegt hatten, rutschten sie am Dienstag wieder ins Minus.

~ ISIN DE0005140008 DE000CBK1001 WEB https://www.deutsche-bank.de/index.htm

https://www.commerzbank.de/ ~ APA275 2019-03-12/12:53




Kommentieren